ePA-Daten: Psychotherapeuten warnen vor Zugriff

Das Deutsche Psychotherapeuten Netzwerk (DPNW) kritisiert, dass Ermittlungsbehörden auf Informationen der elektronische Patientenakte (ePA) zugreifen können. „Wir fordern für die ePA eine observationsfreie Zone – vergleichbar mit dem Schutz, der heute bereits für Drogenberatungsstellen gilt“, sagte DPNW-Vorsitzender Dieter Adler. In deren Umfeld darf die Polizei nicht ermitteln. Dieses bewährte Modell müsse auch für die ePA gelten, insbesondere gegenüber europäischen Ermittlungsbehörden, so Adler. Der Verband nimmt dafür die europäische E-Evidence-Verordnung in den Blick. Danach können Ermittlungsbehörden anderer Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) die Herausgabe medizinischer Daten verlangen – selbst dann, wenn der zugrunde liegende Sachverhalt nach deutschem Recht nicht strafbar ist. „Damit werden elektronische Patientenakten grundsätzlich auch für EU-Strafverfolgungsbehörden wie Staatsanwaltschaften, Steuerfahndung oder Zoll zugänglich“, hieß es aus dem DPNW. Das Netzwerk befürchtet, dass die Schweigepflicht damit „faktisch entwertet“ wird und gibt ein Beispiel: „Angenommen, gegen eine polnische Staatsbürgerin wird in Polen wegen einer dort strafbaren Abtreibung ermittelt“, so Adler. Es stelle sich heraus, dass sie sich zuvor in Deutschland beraten ließ und dabei einen Arzt oder Psychotherapeuten aufsuchte. Der polnische Staatsanwalt könne nach aktueller Gesetzeslage die Herausgabe der entsprechenden Daten aus der ePA beantragen. 

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 02/26

Sexualisierte Gewalt: Traumasensible und rechtssichere Versorgung

Für die medizinische Versorgung von weiblichen Betroffenen sexualisierter Gewalt ist eine neue Leitlinie erschienen. Diese soll eine fachgerechte, traumasensible und rechtssichere Versorgung der Betroffenen gewährleisten, wie es vom Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) sowie von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) heißt.

2024 gab es mehr als 62 000 polizeilich erfasste Opfer von Sexualstraftaten – über 53 000 von ihnen waren Frauen. Das sind 2,1 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Dunkelziffer dürfte höher liegen und der Umgang damit scheint sich zwischen den Bundesländern zu unterscheiden. „Obwohl seit 2020 ein bundesweiter Anspruch auf vertrauliche Spurensicherung nach sexualisierter Gewalt gilt, kommen viele Bundesländer ihrer Verpflichtung zur Umsetzung und Finanzierung nicht ausreichend nach“, kritisierte Cornelia Hösemann aus dem BVF-Vorsitz. Dadurch entstünden regionale Unterschiede und unsichere Zugangswege für Betroffene. Daher zählt zu den Empfehlungen, dass ärztliches Personal mit den Regelungen der vertraulichen Spurensicherung (VSS) im eigenen Bundesland vertraut sein sollte.

„Es ist nicht Aufgabe des involvierten Personals, den Wahrheitsgehalt der Aussagen der Betroffenen zum Tathergang zu bewerten“, stellte David klar. Die Glaubwürdigkeit sei nicht in Zweifel zu ziehen. Neben der VSS umfassen die Empfehlungen Handlungsanleitungen für die Erstversorgung, die infektiologische und gynäkologische Untersuchung sowie die psychosoziale Nachbetreuung. So ist laut BVF eine traumainformierte Gesprächsführung zentral. Diese soll den Betroffenen Kontrolle über den Untersuchungsprozess ermöglichen und ihre Würde und Sicherheit in den Mittelpunkt stellen. 

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 02/26

BUCHTIPP: Weiblicher Autismus: Emotionaler Beistand für Betroffene

Die Autorinnen setzen mit diesem Buch erneut ein Statement für die weiblichen Aspekte von Neurodiversität. Alle bringen Erfahrungen in der Diagnostik und Therapie von Autismusspektrumsstörungen aus ihrer klinischen Tätigkeit am Universitätsklinikum Freiburg mit und erleben somit täglich, dass autistische Frauen und Mädchen oft schwerer oder deutlich später diagnostiziert werden als männliche Betroffene, da Studien und Literatur über Autismus sowie die Diagnosekriterien sich traditionell auf Männer und Jungen konzentrieren. Die Autorin Manon Mannherz ist selbst Autistin und Mutter autistischer Kinder.

Das Buch bietet einen einfühlsamen Einblick in die Lebenswelten und Entwicklungsaufgaben von Frauen und Mädchen im Autismusspektrum. Es beschreibt die Möglichkeiten und Hürden auf dem Weg zur Diagnose, sowie die sich daraus ergebenden Fragen der Identität. Es eröffnet eine wichtige Perspektive auf die Herausforderungen, aber auch Stärken, die Autistinnen in einer oft nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichteten Welt haben.

Das Buch hebt dabei die soziale und kulturelle Dimension von Autismus hervor, vor allem den bei weiblichen Betroffenen höheren Druck, aber auch ihre besseren Fähigkeiten, ihre Besonderheiten zu „maskieren“, um sich gesellschaftlichen Normen anzupassen. Durch dieses oft über Jahre eingeübte Verstecken der eigentlichen Persönlichkeit kommt es häufig zum Gefühl, „anders/nicht richtig“ zu sein, sowie zu Komorbiditäten oder Schwierigkeiten in der Identitätsentwicklung. Wiederkehrend wird mit der Analogie der „pro Tag begrenzten Löffel“ als Symbol für die Energiereserven gearbeitet, um ein Verständnis für die häufigen Überforderungsmomente und das ständig nötige Abwägen von Belastungen und Rückzug zu verdeutlichen. Ein Highlight des Buches sind die an mehreren Stellen aufgelisteten „Regel-Listen“, die die Wahrnehmung und Erwartungen von Autistinnen, etwa in Freundschaften oder im Umgang mit Autoritäten, beschreiben. Die Autorinnen stellen hier auf eine unterhaltsame und gleichzeitig aufschlussreiche Weise dar, wie einfach die Welt aus der Sicht von Autistinnen funktionieren könnte, wenn sie sich nicht in einer neurotypischen Welt bewegen müssten.

Für Fachleute, die sich mit Autismus beschäftigen, mag das Buch weniger tiefgehend sein. Für Betroffene und deren Angehörige jedoch – insbesondere vor oder kurz nach der Diagnosestellung – bietet dieses Buch einen wichtigen emotionalen Beistand. Es hilft, die Erlebenswelt von Autistinnen nachzuvollziehen, und bietet eine einfühlsame Einführung in das, was es bedeutet, als Frau im Autismusspektrum zu leben. Celina Szonert

Manon Mannherz, Ismene Ditrich, Christa Koentges: Die Welt autistischer Frauen und Mädchen. Warum sie anders genau richtig sind. Beltz Verlag, Weinheim 2025, 256 Seiten, kartoniert, 22,00 Euro

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 01/26

DAK-Kinder- und Jugendreport: Zunehmend Angststörungen bei Mädchen

Coronapandemie, Klimakrise, Kriege, gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste – das alles belastet viele Kinder und Jugendliche. Vor allem Mädchen seien wegen psychischer Probleme oft dauerhaft in Behandlung, heißt es im Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit.

Demnach haben 22 von 1 000 DAK-versicherten Fünf- bis 17-Jährigen Angststörungen – vor allem soziale Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet entspreche das bundesweit 230 000 Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu den Daten aus 2019 sei das ein Anstieg der Zahlen um 17 Prozent. Besonders stark sei die Zunahme bei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Jahr 2024 waren 66,5 von 1 000 DAK-versicherten Mädchen wegen einer Angststörung in Behandlung, im Vergleich zu 2019 entspreche das einem Anstieg um 53 Prozent. Bei rechnerisch 16,6 Mädchen davon war die Erkrankung chronisch. Zum Vergleich: 2019 waren 8,1 von 1 000 Mädchen jedes Quartal des Jahres wegen einer Angststörung in Behandlung.

„Die Zahlen machen das Erbe der Pandemie sichtbar“, wird der Psychiater Prof. Dr. Christoph Correll, Charité Berlin, in einer DAK-Mitteilung zitiert. „Wir sehen eine langfristige Verfestigung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen.“ Aufgrund fehlender sozialer Kontakte und Entwicklungsschritte aus der Pandemiezeit hätten sich vor allem Mädchen zurückgezogen und Ängste entwickelt. Das habe viele Behandlungen nach sich gezogen. Zudem seien Mädchen vulnerabler als Jungen für soziale Medien, deren Konsum in der Pandemie angestiegen ist. Weil sie dort oft Körperbilder sowie Glücks- und Zufriedenheitsideale sähen, die nicht erfüllt werden könnten, erhöhe sich das Stresslevel. Das könne die Ausprägung psychischer Erkrankungen fördern. 

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 01/26

Kinder- und Jugendhilfe: Neuer Höchststand bei Kindeswohlgefährdung

Die Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen neuen Höchststand erreicht. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis). Demnach stellten die Jugendämter im vergangenen Jahr bei rund 72 800 Kindern oder Jugendlichen eine Kindeswohlgefährdung durch Vernachlässigung, psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt fest. Die Zahl solcher Fälle stieg damit binnen fünf Jahren um fast ein Drittel (31 Prozent) beziehungsweise 17 300.

Die betroffenen Kinder waren demnach im Durchschnitt 8,3 Jahre alt. Etwa jedes zweite (52 Prozent) Kind war jünger als neun Jahre, jedes dritte (33 Prozent) sogar unter sechs Jahre. Besonders häufig stellten die Behörden Anzeichen von Vernachlässigung (58 Prozent) und für psychische Misshandlungen (37 Prozent) fest. In weiteren 28 Prozent der Fälle gab es Hinweise auf körperliche Misshandlungen und in sechs Prozent auf sexuelle Gewalt. Während von Vernachlässigungen und körperlichen Misshandlungen Jungen etwas häufiger betroffen waren, galt das im Fall von psychischer und vor allem sexueller Gewalt für die Mädchen. Im Vorfeld prüften die Jugendämter 2024 rund 239 400 Verdachtsfälle. Damit nahmen die Gefährdungseinschätzungen binnen fünf Jahren um 38 Prozent zu und erreichten ebenfalls einen neuen Höchststand.

Die meisten Hinweise auf eine mögliche Gefährdungssituation kamen von Polizei und Justiz (31 Prozent). Etwas seltener aus der Bevölkerung, also von Verwandten, Bekannten, Nachbarn oder anonym (21 Prozent). Dahinter folgen die Kinder-, Jugend- oder Erziehungshilfe (13 Prozent) und die Schulen (zwölf Prozent). Nur in etwa einem Zehntel der Fälle stammten die Hinweise aus den Familien selbst.

Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines Kindes droht oder bereits eingetreten ist. 

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 01/26

Kinder und Jugendliche: Mangel an Therapie für „Systemsprenger“

„Systemsprenger“, also Kinder und Jugendliche mit besonders herausforderndem Verhalten – finden kaum geeignete Therapieplätze. Das zeigt eine Antwort der Landesregierung Nordrhein-Westfalen (NRW) auf eine Anfrage aus der SPD-Landtagsfraktion. Das Unterangebot an geschlossenen Unterbringungsplätzen in Einrichtungen mit pädagogischem Schwerpunkt sei „ein dauerhaftes und flächendeckendes Problem“, heißt es darin. Vornehmlich fehlten Plätze für Minderjährige ab einem Alter von zwölf Jahren.

Vor allem für Minderjährige mit Drogenproblematik fehle es an ausreichenden Plätzen für die Zeit nach einer Entgiftung. Zudem seien mangelnde Plätze für an Autismus leidende Kinder und Jugendliche, hartnäckige Schulverweigerer und für Jugendliche mit Störungsbildern, die mit sexualisierter Gewalt einhergingen, zu beklagen. In kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken seien hingegen für Akutfälle zumeist ausreichend Kurzzeitplätze vorhanden. Es fehle eher an längerfristig ausgerichteten Klinikplätzen. In NRW stehen nach Angaben der Regierung derzeit 66 Plätze zur geschlossenen Unterbringung in der Jugendhilfe zur Verfügung – allerdings ohne dort direkt angedockte Therapieplätze. Viele geschlossene Jugendhilfeeinrichtungen kooperierten jedoch mit örtlichen Kinder- und Jugendpsychiatrien sowie Ärzten und Therapeuten. Die Landesregierung verweist darauf, dass das Versorgungsproblem bundesweit besteht. „Lediglich NRW, Baden-Württemberg und Bayern halten nennenswerte Plätze zur geschlossenen Unterbringung in der Jugendhilfe vor. 

Quelle: www.aerzteblatt.de / PP/ Ausgabe 12/2025

Kinder und Jugendliche: Globale Krisen belasten stärker als Pandemie

Um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht es offenbar immer noch schlechter als vor der Coronapandemie. Zwar machen sich die Mädchen und Jungen um die Folgen der Pandemie mittlerweile kaum noch Sorgen, wie das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) mitteilte. Dafür spielten globale Themen und gesellschaftliche Diskurse eine größere Rolle, etwa Kriege und die Spaltung der Gesellschaft.

In der achten Befragungswelle der „COPSY“-Studie, die sich mit den Auswirkungen der Coronapandemie auf die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland befasst, wurden Sieben- bis 23-Jährige befragt. 22 Prozent der Befragten berichteten von einer geminderten Lebensqualität. Das waren etwa sieben Prozentpunkte mehr als vor Corona. 18 Prozent gaben an, sich einsam zu fühlen. Vor der Pandemie waren es nur 14 Prozent. 70 Prozent machten sich Sorgen wegen Kriegen, 62 Prozent wegen Terrorismus und 57 Prozent wegen wirtschaftlicher Krisen. 56 Prozent waren besorgt wegen der Spaltung der Gesellschaft, 51 Prozent wegen Zuwanderung und 49 Prozent wegen der Klimakrise. Nur acht Prozent zeigten sich wegen der Folgen der Coronapandemie besorgt.

Mädchen und Jungen mit krisenbezogenen Zukunftsängsten hätten ein höheres Risiko für psychische Auffälligkeiten, depressive Symptome und Einsamkeit, warnte Studienerstautorin Dr. Anne Kaman vom UKE. „Dazu trägt sicherlich auch bei, dass sie über soziale Medien häufig mit ungefilterten oder belastenden Inhalten konfrontiert werden, was diese Entwicklungen weiter verstärkt.“ Sie riet zu verbesserter Medienkompetenz.

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 12/25

Globale Krisen belasten junge Menschen stärker als Pandemie

Um die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen steht es offenbar immer noch schlechter als vor der Coronapandemie. Zwar machen sich die Mädchen und Jungen um die Folgen der Pandemie mittlerweile kaum noch Sorgen, wie das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gestern mitteilte.

Dafür spielten globale Themen und gesellschaftliche Diskurse eine größere Rolle, etwa Kriege und die Spaltung der Gesellschaft. In der Befragung berichteten 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen von einer geminderten Lebensqualität. Das waren etwa sieben Prozentpunkte mehr als vor Corona. 18 Prozent gaben an, sich einsam zu fühlen. Vor der Pandemie waren es nur 14 Prozent.

70 Prozent machten sich Sorgen wegen Kriegen, 62 Prozent wegen Terrorismus und 57 Prozent wegen wirtschaftlicher Krisen. 56 Prozent waren besorgt wegen der Spaltung der Gesellschaft, 51 Prozent wegen Zuwanderung und 49 Prozent wegen der Klimakrise. Nur acht Prozent zeigten sich wegen der Folgen der Coronapandemie besorgt.

Mädchen und Jungen mit krisenbezogenen Zukunftsängsten hätten ein höheres Risiko für psychische Auffälligkeiten, depressive Symptome und Einsamkeit, warnte Studienerstautorin Anne Kamm vom Uniklinikum. „Dazu trägt sicherlich auch bei, dass sie über soziale Medien häufig mit ungefilterten oder belastenden Inhalten konfrontiert werden, was diese Entwicklungen weiter verstärkt.“ Sie riet zu verbesserter Medienkompetenz.

Die Hamburger Forschenden befragten eigenen Angaben zufolge Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 23 Jahren aus 1.607 Familien. Die Elf- bis 23-Jährigen füllten ihre Onlinefragebögen selbst aus. Für die Sieben- bis Zehnjährigen antworteten die Eltern.

Es handelte sich um die achte Befragungswelle der „Copsy-Studie“, die sich mit den Auswirkungen der Coronapandemie und globaler Krisen auf die seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland befasst.

Quelle: www.aerzteblatt.de vom 05.12.2025

Zunehmend Ängste bei Kindern, gerade bei Mädchen

Coronapandemie, Klimakrise, Kriege, gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste – das alles belastet viele Kinder und Jugendliche. Vor allem Mädchen seien wegen psychischer Probleme oft dauerhaft in Behandlung, heißt es im Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit.

Demnach haben 22 von 1.000 DAK-versicherten Fünf- bis 17-Jährigen Angststörungen – vor allem soziale Phobien und Panikstörungen. Hochgerechnet entspreche das bundesweit 230.000 Kindern und Jugendlichen. Im Vergleich zu den Daten aus 2019, also vor der Coronapandemie, sei das ein Anstieg der Zahlen um 17 Prozent.

Besonders stark sei die Zunahme bei Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren. Im Jahr 2024 waren 66,5 von 1.000 DAK-versicherten Mädchen wegen einer Angststörung in Behandlung, im Vergleich zu 2019 entspreche das einem Anstieg um 53 Prozent. Bei rechnerisch 16,6 Mädchen davon war die Erkrankung chronisch. Zum Vergleich: 2019 waren 8,1 von 1.000 Mädchen jedes Quartal des Jahres wegen einer Angststörung in Behandlung.

Fast alle Zahlen seien nach einem Anstieg bis 2021 seitdem in der Häufigkeit der Diagnosen auf konstant hohem Niveau, heißt es in dem Bericht. Für die Auswertung hatten Wissenschaftler der Universität Bielefeld DAK-Daten von 800.000 jungen Patienten sowie deren ambulanten und stationären Behandlungen analysiert und hochgerechnet. Die DAK gilt als drittgrößte Krankenkasse.

Fehlende soziale Kontakte und falsche Werte in sozialen Medien

„Die Zahlen des DAK-Kinder- und Jugendreports machen das Erbe der Pandemie sichtbar“, wird Christoph Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité, in einer DAK-Mitteilung zitiert. „Wir sehen eine langfristige Verfestigung psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen.“

Aufgrund fehlender sozialer Kontakte und Entwicklungsschritte aus der Pandemiezeit hätten sich vor allem Mädchen zurückgezogen und Ängste entwickelt. Das habe viele Behandlungen nach sich gezogen. „Zudem sind Mädchen vulnerabler als Jungen für soziale Medien, deren Konsum in der Pandemie angestiegen ist“, so Correll weiter.

Weil sie dort oft Körperbilder sowie Glücks- und Zufriedenheitsideale sähen, die nicht erfüllt werden könnten, erhöhe sich das Stresslevel. Das könne die Ausprägung psychischer Erkrankungen fördern und vertiefen.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend und decken sich mit unseren Erfahrungen in der Praxis“, erklärt Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte (BVKJ). Es sei deshalb wichtig, dass es in Schulen, Kitas und Jugendzentren mehr Präventions- und Unterstützungsangebote gibt.

Die Unterstützung von Fachkräften wie Schulpsychologen oder Schulsozialarbeitern sei wichtig, sagt auch Quentin Gärtner, Mitorganisator der Kampagne „Uns geht’s gut“ der Bundesschülerkonferenz. „Wir brauchen (…) Schulgebäude, in denen man sich tatsächlich wohlfühlen kann, und Unterricht, der Wohlbefinden als notwendige Voraussetzung für Leistung anerkennt.“

Quelle: www.aerzteblatt.de vom 08.12.2025