Europa: Vielfältige psychische Probleme von Teenagern

Jugendliche im Pubertätsalter haben in Europa häufiger mit mentalen Problemen zu kämpfen. Das geht aus einem Bericht des Europa-Büros der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hervor, für den die Gesundheit und das Sozialverhalten von elf- bis 15-jährigen Schulkindern aus 45 Ländern unter die Lupe genommen wurde. Das Ergebnis: Das mentale Wohlbefinden der Befragten ging 2018 im Vergleich zu 2014 in mehreren Staaten zurück. Es nimmt zudem tendenziell mehr ab, je älter die Kinder werden − und besonders Mädchen sind gefährdet. Die häufigsten Beschwerden sind demnach Nervosität, Reizbarkeit und Schlafprobleme. Die junge Generation müsse auf einfache Weise Zugang zu mentaler Unterstützung erhalten, forderte WHO-Regionaldirektor Hans Kluge.

Für die umfassende Studie hat ein an der Universität Glasgow ansässiges Koordinierungszentrum die Daten von mehr als 220 000 Schulkindern aus Europa und Kanada im Alter von elf, 13 und 15 Jahren zusammengetragen. Jedes vierte davon gab an, sich mindestens einmal pro Woche nervös oder gereizt zu fühlen oder Probleme beim Einschlafen zu haben. In jedem dritten Land stieg die Zahl der Heranwachsenden, die sich von den Schulaufgaben unter Druck gesetzt fühlten. In den meisten Staaten verschlechterten sich die Schulerfahrungen mit zunehmendem Alter. Mehr als jeder Zehnte berichtete zudem, in den beiden Monaten vor der Befragung Cybermobbing ausgesetzt gewesen zu sein.

Bei den Ergebnissen der Studie gibt es nach WHO-Angaben teils große Unterschiede zwischen den Ländern. Während die Befragten in Albanien, Nordmazedonien und Serbien am häufigsten angaben, sich gesundheitlich sehr gut zu fühlen, lag Deutschland leicht über dem Durchschnittswert im Ländervergleich im Mittelfeld.

Quelle: www.aerzteblatt.de vom Juni 2020 (PP19)

Kinder und Jugendliche: Vermehrte Diagnosen von psychischen Störungen

Das Diagnosespektrum bei Kindern und Jugendlichen hat sich in den vergangenen Jahren verschoben: Kinder- und Jugendärzte haben zwischen 2010 und 2017 vermehrt psychosoziale Auffälligkeiten bei unter 18-Jährigen diagnostiziert.

Das geht aus dem neuen „Versorgungsmonitor Ambulante Kinder- und Jugendmedizin“ hervor, den das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) veröffentlicht haben. Grundlage des Berichtes sind vertragsärztliche Abrechnungs- und Verordnungsdaten.

Danach ist die Zahl der Behandlungsfälle zwischen 2010 und 2017 bei Kinder- und Jugendärzten von 24,7 Millionen auf 26,7 Millionen gestiegen. Anpassungsstörungen nahmen laut dem Bericht im Analysezeitraum um 39 Prozent zu, Entwicklungsstörungen um 37 Prozent und Störungen des Sozialverhaltens um 22 Prozent. „Unsere Auswertungen zeigen, dass sich die Behandlungsanlässe in der Pädiatrie immer stärker von akuten zu chronischen, von somatischen zu psychischen Erkrankungen verschieben“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dominik von Stillfried.

„Die hohen Zahlen von Patienten, die zu uns wegen psychischer Störungen kommen, bedeuten nicht zwingend, dass es unter Kindern und Jugendlichen generell einen Anstieg psychischer Erkrankungen gibt“, sagte der BVKJ-Präsident Thomas Fischbach. Die Entwicklung gehe „sicher auch auf einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen zurück“. Kinder und Jugendliche sowie Eltern redeten heute offen beim Arztbesuch über psychische Probleme. „Auch weil sie wissen, dass wir ihnen hier weiterhelfen können“, so Fischbach.

Quelle: www.aerzteblatt.de vom Juni 2020 (PP 19)

Übergewicht mit 3 Jahren vervierfacht das Adipositasrisiko im Jugendalter

Kinder, die im Alter von 3 Jahren übergewichtig sind, haben ein erhöhtes Risiko, dies auch im Jugendalter zu bleiben. Zu diesem Schluss kommt eine japanische Studie, die in der Fachzeitschrift „Pediatric Obesity“ veröffentlicht wurde.

„Da Familienmitglieder häufig einen ähnlichen Lebensstil haben, erscheint es erforderlich, dass Maßnahmen sowohl für Eltern als auch für Kinder ergriffen werden, um zu verhindern, dass Jugendliche übergewichtig bleiben“, erklärte Dr. Satomi Yoshida vom Department of Pharmacoepidemiology an der Kyoto University Graduate School of Medicine and Public Health in Japan in einer Pressemitteilung.

In einer bevölkerungsbezogenen, retrospektiven Studie analysierten Yoshida und Kollegen die Gesundheitsdaten der Vorsorgeuntersuchungen und der Schuluntersuchungen von 1.581 Kindern in Japan, die bis zum Alter von 15 Jahren beobachtet wurden (50,2% Mädchen; Schulgesundheitsuntersuchungen im Alter von 15 Jahren wurden zwischen Juni 2015 und Juni 2017 durchgeführt). In Japan sind Vorsorgeuntersuchungen in der Kindheit obligatorisch (mit einem alter von 1, 3 oder 4, 6 oder 7 Monaten, 18 Monaten und mit 3 Jahren) wie auch jährliche Check-ups in der Schule.
Informationen zur Schwangerschaft sammelten die Experten über einen Fragebogen. Die Forscher untersuchten auch, ob ein niedriges oder hohes Geburtsgewicht, Übergewicht und Adipositas im Alter von 3 Jahren sowie mütterlichem Übergewicht im Zusammenhang mit Übergewicht im Alter von 15 Jahren bei Jugendlichen stehen.

Unter den Mutter-Kind-Paaren hatten 130 (8,2%) Kinder ein niedriges Geburtsgewicht, 93 (5,9%) Kinder waren im Alter von 3 Jahren übergewichtig oder adipös (fettleibig) und 167 (10,6%) waren im Alter von 15 Jahren übergewichtig oder adipös.

Die Experten fanden heraus, dass Übergewicht oder Adipositas im Alter von 3 Jahren das Risiko für Übergewicht oder Adipositas im Alter von 15 Jahren mehr als vervierfachte. Waren Müttern übergewichtig, so erhöhte dies das Risiko für Übergewicht oder Adipositas bei weiblichen Jugendlichen um mehr als das Doppelte.

„Lebensstilfaktoren, einschließlich Essgewohnheiten, sind in der frühen Kindheit noch nicht vollständig entwickelt und können geändert werden“, schrieben die Wissenschaftler. „Es kann notwendig sein, bei Übergewicht/Adipositas bereits in der frühen Kindheit einzugreifen, um Adipositas im Jugendalter zu verhindern.“

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 25.05.2020

Sprich mit deinem Kind!

Plakat-Kampagne „Sprich mit mir“ soll Eltern für bewussten Handy-Umgang sensibilisieren.

Das Smartphone gehört mittlerweile genauso selbstverständlich zu unserem Alltag wie der Hausschlüssel oder die EC-Karte. Wir benutzen diese Hilfsmittel, ohne besonders darüber nachzudenken. Nur: Gerade das Handy hindert uns zunehmend daran, im Alltag persönlich miteinander zu sprechen.
Besonders bei Kindern hat das fatale Folgen: Werden Kleinstkinder nicht in ausreichendem Maße von ihren Bezugspersonen direkt angesprochen, kommt es z.B. zu Verhaltensauffälligkeiten oder auch Sprachstörungen. Hier machen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im In- und Ausland bereits seit mehreren Jahren alarmierende Beobachtungen.
Eine Langzeitstudie über den Zeitraum 2014–2016 in den USA belegt: Kleinere Kinder reagieren mit Ärger auf Eltern, die sich während des familiären Zusammenseins immer wieder dem Smartphone oder anderen elektronischen Medien zuwenden. Da ist ein Teufelskreis geradezu vorprogrammiert: Eltern abgelenkt – Kind quengelig – Eltern genervt – Kind noch quengeliger und so fort.

Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sind sich sicher: Eltern, die sich häufig von ihren Smartphones ablenken lassen, vermitteln ihrem Kind das Gefühl, Kontakt und Zuwendung seien von den Geräten gesteuert. Zuwendung wird so für das Kind unvorhersehbar. Denn die Eltern sind zwar physisch, aber emotional nur sporadisch
präsent.

Als Resultat daraus ergibt sich beim Kind eine Kettenreaktion bzw. ein Geflecht aus:
Unsicherheit, Gefühlen von Einsamkeit bzw. Vernachlässigung, Bindungsstörung,
Verhaltensauffälligkeiten. Betroffen ist auch der frühkindliche Spracherwerb. Dieser wird nachweislich beeinträchtigt, wenn Bezugspersonen während des Kontaktes mit dem Kind immer wieder vom Smartphone (oder anderen Medien) unterbrochen oder abgelenkt werden.
Sehr kleine Kinder können auf diese Form der Handy-Konkurrenz nur unbewusst reagieren. Größere Kinder hingegen artikulieren ihre Kritik deutlich: 2015 sagten in Umfragen in verschiedenen Ländern zum Beispiel ein Drittel oder sogar über die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen, dass sie sich von ihren Eltern wegen deren Handy-Verhaltens vernachlässigt fühlen.

Daher fordert auch der Kinderschutzbund alle Eltern ganz klar auf:
Sprich mit deinem Kind!
Hierzu organisiert der Deutsche Kinderschutzbund Kreisverband Paderborn e.V. gemeinsam
mit dem FreienBeratungsZentrum Paderborn eine groß angelegte Plakat-Kampagne zum Thema „Handykonsum von Eltern“, die anlässlich des Kinderrechtejahrs 2019 vom Kinderschutzbund Düsseldorf ins Leben gerufen wurde. Insgesamt drei
aufmerksamkeitsstarke Motive der Cartoonistin Renate Alf aus Weimar zeigen typische Alltagsszenen mit Eltern, die dem eigenen Smartphone mehr Aufmerksamkeit widmen als dem eigenen Nachwuchs. Auf humorvolle, aber gleichzeitig eindrückliche Weise sollen die Plakate dafür sensibilisieren, dass Kinder sich tatsächlich oft verloren und vergessen fühlen, wenn an ihnen vorbeigeschaut und vorbeigeredet wird.

Um dem entgegenzuwirken werden Eltern demnächst sowohl an Kitas und Schulen, kinderärztlichen, ergotherapeutischen sowie logopädischen Praxen als auch an Bushaltestellen und öffentlichen Plakatwänden im gesamten Kreisgebiet daran erinnert, ihren Kindern öfter ihre so wichtige, ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken.

Quelle: www.fbz-pb.de

Exzessives Sporttreiben bei Essstörungen: psychologische Mechanismen entschlüsselt

Übermäßiges, exzessives und zwanghaftes Sporttreiben ist sehr schädlich für die Gesundheit, besonders ausgeprägt ist dies bei Personen, die unter Essstörungen leiden. Anhand elektronischer Tagebücher hat ein Forschungsteam des KIT und der Universität Freiburg nun erstmals psychologische Alltagsmechanismen aufgedeckt, die diesem pathologischen Sporttreiben zugrunde liegen. Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass essgestörte Personen Sport dazu nutzen, bedrückende Stimmungslagen und negative essstörungsbezogene Gedanken zu regulieren.

Unbestritten ist, dass Sport die Gesundheit fördert. Wird Sport jedoch exzessiv und zwanghaft betrieben und im Extremfall zur „Sportsucht“, kann dies krank machen. Dieses ungesunde Sporttreiben ist nachweislich besonders ausgeprägt bei Personen, die unter Essstörungen leiden. Ein Forschungsteam am Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des KIT und der Universität Freiburg konnte nun erstmals psychologische Alltagsmechanismen aufdecken, die diesem pathologischen Sporttreiben zugrunde liegen. Die Methode, die diese Studie möglich machte, heißt Ambulantes Assessment. Sie erfasst menschliches Erleben und Verhalten im Alltag und wurde von einer Expertengruppe am IfSS entwickelt und eingesetzt. „Der Kerngedanke ist, dass wir die Spezies Mensch in ihrem natürlichen Lebensumfeld untersuchen müssen, um menschliches Verhalten verstehen zu können“, verdeutlichte Professor Ulrich Ebner-Priemer, Leiter des Mental mHealth Labs am KIT.
In der vorliegenden Studie wurden spezifisch entwickelte aktivitäts-getriggerte elektronische Tagebücher auf Smartphones eingesetzt. „Mit diesen elektronischen Tagebüchern konnten wir das dynamische Wechselspiel von körperlicher Aktivität und psychologischen Variablen im Alltag untersuchen“, erläuterte Markus Reichert, der am KIT in der Arbeitsgruppe von Professor Ebner-Priemer forscht und zusammen mit Dr. Sabine Schlegel von der Universität Freiburg einer der beiden Erstautoren der Studie ist. „Dank dieser Technologie war es möglich, subjektive Selbstberichte bei auffälligen Bewegungsepisoden gezielt anzufordern und so eine hohe statistische Varianz der Daten zu generieren.“

Mithilfe dieser Methodik wurde die körperliche Aktivität von 29 Patientinnen mit Essstörungen und 35 gesunden Kontrollprobandinnen per Accelerometer, einem Bewegungssensor, objektiv und kontinuierlich in deren Alltag über sieben Tage hinweg aufgezeichnet. Der Accelerometer war via Bluetooth mit einem Smartphone verbunden, eine installierte App löste beim Über- und Unterschreiten bestimmter Aktivitätsschwellen Tagebuchabfragen aus und die Testpersonen wurden zusätzlich aufgefordert, sowohl vor als auch nach dem Sporttreiben über ihre Befindlichkeit zu berichten.

Dabei stellte das Forschungsteam fest, dass bei Patientinnen mit Essstörungen dem Sporttreiben ein Stimmungsabfall vorausging. Dieser Effekt zeigte sich bei den gesunden Kontrollprobandinnen nicht, vielmehr fühlten sie sich vor dem Sport besonders energiegeladen. Nach dem Sporttreiben waren die Patientinnen mit Essstörungen im Vergleich zu den gesunden Kontrollprobandinnen und relativ zu ihrer durchschnittlichen Stimmung besser gelaunt, fühlten sich entspannter, verspürten weniger Druck, schlank sein zu müssen, und waren mit ihrem Körper zufriedener. Dieser Effekt hielt aber nur für eine begrenzte Zeit an, je nach Probandin von circa einer Stunde bis zu drei Stunden.

Die Ergebnisse, die das Autorenteam in der Fachzeitschrift „Psychotherapy and Psychosomatics“ veröffentlicht hat, lassen den Schluss zu, dass Patientinnen mit Essstörungen das Sporttreiben dazu nutzen, um bedrückende Stimmungslagen und negative essstörungsbezogene Gedanken zu regulieren. „Um mit schwierigen emotionalen Zuständen und negativem Körpererleben umzugehen, treiben sie Sport, vermutlich auch mangels fehlender alternativer Strategien in solchen Momenten“, erläutert Markus Reichert. „Naheliegend ist auch, dass die positiven Effekte des Sporttreibens das ungesunde Sporttreiben verstärken – sich nach dem Sport befreit zu fühlen, führt zu erneutem Sportreiben, wenn die Wirkung wieder abklingt. Dies kann dann in einen Teufelskreis hineinführen, in welchem immer mehr Sport getrieben werden ‚muss‘ um sich gut zu fühlen“, resümierten Markus Reichert und Professorin Almut Zeeck, Koordinatorin der Studie am Universitätsklinikum Freiburg.
Laut Zeeck liefern diese Erkenntnisse wichtige Implikationen für die Therapie und weitere Forschung. So könnte Sport in der Therapie gezielt und dosiert eingesetzt werden, um die Stimmung und das Körpererleben essgestörter Menschen positiv zu beeinflussen. Von zentraler Bedeutung sei es jedoch, den Patientinnen und Patienten alternative Handlungsstrategien zu vermitteln, um ungesundes, übermäßiges Sporttreiben zu verhindern. Hier könnten neueste Technologien, wie beispielsweise Alltagsintervention auf Smartphones helfen. „Damit eröffnen sich neue Perspektiven für therapeutische Interventionen, die Patientinnen und Patienten in ihrem Alltag erreichen und eine wichtige Ergänzung zu einer ambulanten Psychotherapie darstellen können“, so Zeeck.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 01.05.2020

Aktuelle italienische Überblicksstudie: Kinder mit SARS-CoV-2-Infektion zeigen nur milde oder gar keine Krankheitszeichen

Die meisten Kinder, die sich mit dem Coronavirus 2 (SARS-CoV-2) infiziert haben, haben nur leichte Atemwegsprobleme oder sind asymptomatisch. Dies geht aus einer Online-Veröffentlichung hervor, die am 22. April in “JAMA Pediatrics” veröffentlicht wurde.

Dr. Riccardo Castagnoli, MD von der Fondazione IRCCS Policlinico San Matteo in Pavia, Italien, und seine Kollegen anlaysierten insgesamt 18 Studien (17 aus China und 1 aus Singapur) – alle vom 1. Dezember 2019 bis 3. März 2020 veröffentlicht – um zu sehen, wie Experten bisher Covid-19-Fälle bei Kindern bewerten. Insgesamt lagen ihnen die Daten von 1.065 jungen Teilnehmern (etwa die Häölfte waren zwischen 0 und 9 Jahre alt, die andere Hälfte 10 bi 19 Jahre) mit bestätigter SARS-CoV-2-Infektion vor. Die Forscher fanden heraus, dass Kinder jeden Alters meist keine oder nur leichte Krankheitszeichen zeigten, wie Fieber, trockener Husten und Müdigkeit. Am besten erkennbar war die Erkrankung im Röntgenbild – auch bei beschwerdefreien Patienten. In den ausgewerteten Arbeiten wurde nur von einem Fall mit einer schweren COVID-19-Infektion berichtet. Dieser Fall trat bei einem 13 Monate alten Säugling auf. Dieser Patient litt unter Erbrechen, Durchfall, Fieber und bekam eine Lungenentzündung. Er musst intensivmedizinisch betreut und beatmet werden. Bei Kindern im Alter von 0 bis 9 Jahren wurden sonst keine Todesfälle gemeldet. Im Alter zwischen 10 und 19 Jahren gab es einen Todesfall, zu dem jedoch keine näheren Angaben vorlagen. Zu den Therapien gab ebenso nur begrenzte Informationen.

Im Gegensatz zu Erwachsenen scheinen Kinder kein höheres Risiko für schwere Krankheiten zu haben. Ob chronische Krankheiten bzw. Vorerkrankungen bei Kindern eine Rolle spielen, ist derzeit noch nicht bekannt. In der Regel erholten sich die Kinder innerhalb von 1 bis 2 Wochen nach Ausbruch der Krankheit.
„Die schnelle weltweite Verbreitung der SARS-CoV-2-Infektion und das Fehlen europäischer und US-amerikanischer Daten zu pädiatrischen Patienten erfordern weitere epidemiologische und klinische Studien, um mögliche präventive und therapeutische Strategien zu identifizieren“, schreiben die Autoren.

Auch bei Aufenthalt im Krankenhaus meist gute Heilungschancen

Eine deutsche Studie, die den Verlauf der Erkrankung bei Kindern, die ins Krankenhaus mussten, bewertete, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Bei Kindern scheint Covid-19 insgesamt leichter zu verlaufen als bei Erwachsenen. Nur bei Kindern unter sechs Jahren war das Risiko für einen schweren Verlauf demnach etwas größer. Säuglinge und Kleinkinder mussten aufgrund von Covid-19 häufiger als andere Kinder ins Krankenhaus. Die Forscher hatten Daten von insgesamt 2518 Kindern mit SARS-CoV-2-Infektion aus 12 chinesischen Fallserien untersucht und auch deutsche Fälle (33 aus 21 Kliniken) begutachtet.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 28.04.2020

BVKJ zum Kinderschutz: „Was wir jetzt nicht für die Kinder tun, wirkt sich später dramatisch aus“

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (BVKJ) mahnt, dass Kinderschutz gerade in Zeiten der Corona-Pandemie im Fokus von Politik und Öffentlichkeit bleiben muss.

BVKJ-Vizepräsidentin Dr. Sigrid Peter betont: „Wir Kinder- und Jugendärzt*innen haben regelmäßigen Kontakt zu den Familien. Das gibt uns die Möglichkeit, über das rein Medizinische hinaus die Kinder und Jugendlichen in ihrer komplexen Lebensrealität zu sehen und gegebenenfalls zu schützen.“

Auch Erzieher*innen, Lehrer*innen, Nachmittagsbetreuung, Jugendzentren und viele mehr erfüllen „ganz nebenbei“ diese Schutzfunktion und leisten einen Beitrag zur Vorbeugung und Erkennung von Vernachlässigung und Misshandlung. „Diese Strukturen liegen aktuell brach und wir müssen befürchten, dass die Kinder und Jugendlichen nun oftmals allein sind mit ihren Sorgen und Nöten“, so Sigrid Peter.

Dies ist gerade vor dem Hintergrund erster Daten aus China Anlass zur Besorgnis, dort hat sich die Anzahl der Verdachtsfälle von häuslicher Gewalt wohl verdreifacht. Darauf hat der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig hingewiesen. Aber auch in Deutschland ist bereits jetzt ein zunehmender Anstieg von Meldungen bei den Jugendämtern zu verzeichnen. So ist die Anzahl der Anzeigen wegen häuslicher Gewalt laut dem Bundesfamilienministerium schon um zehn Prozent gestiegen.
Es ist allerdings mit noch mehr Meldungen insbesondere in der Zeit nach der größten Corona-Welle zu rechnen, wenn Kinder wieder in die Kitas und Schulen sowie in die Arztpraxen gehen und Vernachlässigungen und Misshandlungen u.a. im veränderten Verhalten der Kinder sichtbar werden. „Wir sorgen uns gerade vor allem um benachteiligte Kinder in sozialen Brennpunkten“, so Dr. Sigrid Peter. „Insbesondere, weil derzeit Anlaufstellen wie zum Beispiel die Arche fehlen und die wirtschaftlichen Konsequenzen in Folge von Kurzarbeit oder sogar Job-Verlust sich insbesondere in diesen Gruppen stark bemerkbar machen. Familienarmut trifft die Kinder am härtesten“, so Sigrid Peter.

Der BVKJ fordert deshalb sofortige Maßnahmen, um größere Schäden von den betroffenen Kindern und Jugendlichen abzuwenden:

  • Für das Thema Kinderschutz muss es eine breite Aufmerksamkeit geben: Achtsame Nachbarn und das aktive Verbreiten von Notrufnummern sind einfache aber wichtige Maßnahmen. Finanzielle Soforthilfen, Notfallnummern und Angebote verschiedener Player (Kinderschutzbund etc.) sind bereits etabliert, müssen aber ausgebaut und ausreichend finanziert werden.
  • Wenn nun über die schrittweise Rückkehr in das öffentliche Leben diskutiert wird, sollte allen voran an die Kinder und Jugendlichen gedacht werden. Sie brauchen schnell wieder Zugang zu Betreuungs- und Bildungsangeboten, gerade auch die sozial schwächeren unter ihnen.
  • Kinder in Flüchtlingsunterkünften müssen hier ebenso in den Blick genommen werden, diese sind wie Kinder in Brennpunkten ñ auch aufgrund fehlender eigener Räume und ausreichender Angebote ñ besonders gefährdet.
  • Alle Verantwortlichen aus Politik, medizinischer Selbstverwaltung und Kinder- und Jugendhilfe müssen nun besser denn je vernetzt zusammenarbeiten, bestehende Versorgungslücken schließen und gezielte Maßnahmen für die Kinder und Jugendliche etablieren.

Wir Kinder- und Jugendärzt*innen werden betroffene Familien im Rahmen unserer Möglichkeiten aktiv weiter betreuen, sei es durch Vorstellung in den Praxen in Notfällen oder auch durch regelmäßige telefonische Kontaktaufnahme.

Außerdem haben wir als BVKJ Hinweise und Tipps an Eltern für den Umgang mit ihren Kindern in der Isolation auf unserer Internetseite zusammengestellt unter www.bvkj.de/eltern.
Doch das allein genügt nicht. Die Kinder und Jugendlichen brauchen die breite Unterstützung und den Schutz der Gesellschaft. „Denn was wir jetzt nicht für diese Kinder tun, kann sich später dramatisch auswirken“, so Peter.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 15.05.2020