BPtK-Elternratgeber „Internet“ veröffentlicht

Spätestens mit neun Jahren geht es los. Ab diesem Alter bekommen viele Kinder ihr erstes Smartphone. Mit dem Smartphone haben sie einen eigenen Weg ins Internet. Im Netz finden sie Freund*innen, Spiele, Videos, gute Tipps und großen Mist, politische und sexuelle Verführer*innen, Pornos, Gewaltvideos.

Viele Eltern stehen spätestens dann vor der Frage: „Wie viel Internet ist okay?“ Um
Eltern bei dieser und anderen Fragen zu beraten, veröffentlicht die Bundespsychotherapeutenkammer
(BPtK) einen Elternratgeber „Internet“.
Zum Hintergrund: Fast alle 30- bis 49-Jährigen nutzen das Internet täglich über drei Stunden. Drei
Viertel der Kinder besitzen mit zehn bis elf Jahren ein eigenes Smartphone. Schätzungsweise leiden
sechs Prozent aller 12- bis 17-Jährigen unter einer Computerspiel- oder Internetabhängigkeit. Der
BPtK-Elternratgeber „Internet“ kann unter bestellungen@bptk.de angefordert werden.

BPtK-Elternratgeber „Internet“:

https://www.bptk.de/wp-content/uploads/2020/10/bptk-elternratgeber-internet.pdf

Quelle: www.bptk.de/publikationen/patientenratgeber

Fast 20 Prozent erkranken an einer psychischen Störung

BPtK-Faktenblatt „Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen“

Fast 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland erkranken innerhalb eines Jahres an einer psychischen Störung. Häufigste Störungen sind Angststörungen, depressive, hyperkinetische sowie dissoziale Störungen (dauerhaft aufsässiges und aggressives Verhalten). Wer als Kind oder Jugendliche* psychisch erkrankt, ist auch als Erwachsene* psychisch stärker gefährdet. Über die Hälfte aller psychischen Erkrankungen entstehen bereits vor dem 19. Lebensjahr. Das sind die zentralen Kennziffern des „Faktenblatts Psychische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen“, das die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) heute veröffentlicht hat.

„Psychische Krankheiten bei Kindern und Jugendlichen werden immer noch viel zu häufig nicht erkannt und behandelt“, stellt BPtK-Präsident Dr. Dietrich Munz fest. „Obwohl jedes fünfte Kind und jede fünfte Jugendliche* innerhalb eines Jahres psychisch erkranken, ist nur jede 20. unter 18-Jährige* in einer psychotherapeutischen Praxis in Behandlung. Dieses Missverhältnis ist für ihre Zukunft gravierend, da nicht behandelte Ängste und Depressionen im Kindes- und Jugendalter deutlich das Risiko erhöhen, im Erwachsenenalter erneut psychisch zu erkranken.“

Auch psychische Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen können lange dauern. Bei der Hälfte der Kinder, die psychische Auffälligkeiten entwickeln, bleiben diese über zwei Jahre bestehen. Ein Drittel ist auch sechs Jahre später noch psychisch auffällig. Je schwerer und langwieriger psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter werden, desto aufwendiger und teurer ist die Behandlung. Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen in einer psychotherapeutischen Praxis kostet schätzungsweise rund 3.000 Euro. Die Kosten für eine stationäre Behandlung liegen erheblich höher. Mehr als die Hälfte der unter 18-Jährigen bleiben infolge psychischer Erkrankungen länger als einen Monat im Krankenhaus. Die Behandlung eines depressiv kranken Kindes in einem psychiatrischen Krankenhaus kann durchschnittlich über 12.000 Euro kosten.

Psychische Erkrankungen sind auch Ausdruck sozialer Ungleichheit. Kinder und Jugendliche erkranken häufiger an psychischen Störungen, wenn die Eltern einen niedrigen oder mittleren Bildungsabschluss oder ein geringes Einkommen haben. In Familien mit wenigen sozioökonomischen Ressourcen sind Kinder zweieinhalbmal so oft psychisch auffällig wie in Familien mit hohen sozioökonomischen Ressourcen. Bei Kindern aus Familien mit mittlerem Bildungsniveau (zum Beispiel anerkannte Berufsausbildung) ist das Risiko, an einer Angststörung oder einer Depression zu erkranken, 20 bis 30 Prozent höher als bei Kindern aus Familien mit hohem Bildungshintergrund. Das geringste Risiko haben Kinder aus Akademikerhaushalten.

Quelle: www.bptk.de vom 02.10.2020

Deutschland Barometer Depression

Volkskrankheit Depression – So denkt Deutschland

2020: Deutschland-Barometer Depression: massive Folgen für die psychische Gesundheit infolge der Corona-Maßnahmen

Jeder zweite an Depression Erkrankte hat im ersten Lockdown massive Einschränkungen in der Behandlung seiner Erkrankung erlebt. Für einen kleineren Teil der Patienten waren Telefon- und Videosprechstunden eine gute Alternative. Die Akzeptanz von Online-Angeboten in der Behandlung ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das zeigt das heute veröffentlichte vierte „Deutschland-Barometer Depression“ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Infografik Depression: Belastung durch Corona-Virus

Quelle: www.deutsche-depressionshilfe.de vom Oktober 2020

Gemeinsamer Bundes­aus­schuss: Psychotherapeuten können Ergotherapie verordnen

Ab dem 1. Januar 2021 können auch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten eine Ergotherapie verordnen, wenn psychische Erkrankungen beziehungsweise bestimmten Erkrankungen des zentralen Nervensystems oder Entwicklungsstörungen vorliegen. Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) gefasst, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erklärte. Hintergrund ist demnach das Gesetz zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung. Damit wurden die Befugnisse der Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten erweitert. Eine konkrete ergotherapeutische Maßnahme, die laut Heilmittel-Richtlinie des G-BA zum Beispiel bei depressiven Störungen oder einem Abhängigkeitssyndrom verordnet werden darf, sei beispielsweise Hirnleistungstraining, schreibt die KBV. Die Verordnung sei möglich bei einer Erkrankung aus dem Indikationsspektrum der Richtlinien-Psychotherapie, zum Beispiel bei Angststörungen. Außerdem könne sie bei einer Erkrankung erfolgen, bei der eine neuropsychologische Therapie angewendet werden könne. Darüber hinaus ist laut KBV eine Verordnung möglich bei allen anderen Diagnosen des Kapitels V „Psychische und Verhaltensstörungen“ der ICD-10. Bei diesen Indikationen sei allerdings der behandelnde Arzt zu informieren, schreibt die KBV. Die Verordnung sei bei Bedarf mit ihm abzustimmen. 

Quelle: aerzteblatt.de von Oktober 2020

UNICEF startet Kampagne #NiemalsGewalt für gewaltfreie Erziehung

Mit einem aufrüttelnden Video ruft UNICEF Deutschland dazu auf, alltägliche Gewalt gegen Kinder nicht länger hinzunehmen. Es bildet den Auftakt der UNICEF-Kampagne #NiemalsGewalt. Ziel ist es, Eltern, Lehrende, Erziehende sowie Bürgerinnen und Bürger zu sensibilisieren, beim Thema Gewalt genauer hinzusehen und sich für das Recht jedes Kindes auf gewaltfreie Erziehung einzusetzen.

Der Film macht die weitgehend unsichtbaren Demütigungen und Misshandlungen, denen unzählige Mädchen und Jungen auf der ganzen Welt jeden Tag ausgesetzt sind, sichtbar. Bewusst verzichtet das Video auf reale Gewaltszenen. In subtilen Bildern vermittelt es eindringlich, wie sich die Erfahrung von körperlicher Gewalt, Erniedrigung, Anschreien oder Verachtung tief in Körper und Seele von Kindern einschreibt und Spuren hinterlässt. UNICEF ruft dazu auf, das Video unter dem Hashtag #NiemalsGewalt zu teilen.

„Alltägliche Gewalt gegen Kinder vollzieht sich meist unsichtbar hinter verschlossenen Türen. Deshalb wird sie oft verdrängt oder übersehen, doch die betroffenen Mädchen und Jungen spüren die Folgen ein Leben lang,“ sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland. „Auch scheinbar leichte Formen der physischen oder psychischen Misshandlung gefährden die Entwicklung von Kindern. Gewalt gegen Kinder ist unter keinen Umständen akzeptabel. ‚Niemals Gewalt‘ – diese Forderung von Astrid Lindgren aus dem Jahr 1978 ist heute aktueller denn je!“

„Leider hat Misshandlung viele Gesichter. Und meist ignorieren wir die bleibenden Spuren, die sie für Kinder hinterlassen kann“, sagte der amerikanische Regisseur Jared Knecht. „Wir wollen den Menschen die oft unsichtbaren Folgen von Gewalt bewusstmachen – aus Sicht der Kinder, ohne Gewalt selbst zu zeigen. Wir wünschen uns, dass dadurch viele Menschen alltägliche Gewalt neu wahrnehmen und ihren Umgang mit Kindern überdenken.“ Knecht hat die von der Agentur BBDO Düsseldorf entwickelte Idee für UNICEF filmisch inszeniert.

Bis heute wird Gewalt gegen Kinder – weltweit wie in Deutschland – viel zu oft stillschweigend akzeptiert, heruntergespielt oder sogar gerechtfertigt. Betroffene Mädchen und Jungen haben häufig niemanden, dem sie sich anvertrauen können oder werden nicht ernst genommen. Dabei können die Folgen für die Kinder verheerend sein: Gewalt gegen Kinder kann tiefe Spuren hinterlassen. Dies gilt auch für die am wenigsten sichtbaren und gleichzeitig häufigsten Gewaltformen wie emotionale Misshandlung und Vernachlässigung.

Das Ausmaß alltäglicher Gewalt gegen Kinder ist bis heute erschreckend:

  • Weltweit erleben drei von vier Kindern zwischen zwei und vier Jahren körperliche oder psychische Gewalt durch ihre Eltern oder andere Erziehende.
  • Schätzungsweise 1,1 Milliarden Eltern und Erziehende weltweit halten körperliche Bestrafungen für ein notwendiges Mittel in der Erziehung von Kindern.
  • In Deutschland berichteten laut einer Studie im Jahr 2017 31 Prozent der Befragten, dass sie eine Form von Misshandlung mit mindestens moderatem Schweregrad erfahren hatten.

Quelle: Pressestelle UNICEF Deutschland vom 15. Oktober 2020

Erste große Studie zu Erfahrungen von Frauen und Kindern in Deutschland

Häusliche Gewalt während der Corona-Pandemie

Rund 3 Prozent der Frauen in Deutschland wurden in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause Opfer körperlicher Gewalt, 3,6 Prozent wurden von ihrem Partner vergewaltigt. In 6,5 Prozent aller Haushalte wurden Kinder gewalttätig bestraft. Dies zeigt die erste große repräsentative Umfrage zu häuslicher Gewalt während der Corona-Pandemie. Waren die Frauen in Quarantäne oder hatten die Familien finanzielle Sorgen, lagen die Zahlen deutlich höher. Nur ein sehr kleiner Teil der betroffenen Frauen nutzte Hilfsangebote.

Während der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie wuchs die Sorge, dass Frauen und Kinder unter häuslicher Gewalt leiden könnten. Doch da nicht alle Opfer Anzeige erstatten oder Hilfsangebote nutzen, blieb die tatsächliche Dimension im Dunkeln.

Janina Steinert, Professorin für Global Health an der Technischen Universität München (TUM), und Dr. Cara Ebert vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung haben deshalb rund 3.800 Frauen zwischen 18 und 65 Jahren online nach ihren Erfahrungen befragt. Die Studie ist hinsichtlich Alter, Bildungsstand, Einkommen, Haushaltsgröße und Wohnort repräsentativ für Deutschland. Die Frauen wurden zwischen 22. April und 8. Mai 2020 nach dem vorangegangenen Monat gefragt, also der Zeit der strengsten Kontaktbeschränkungen. Da manche Befragten aus Scham möglicherweise nicht zutreffende Antworten geben, wandten die Wissenschaftlerinnen bei besonders stigmatisierten Formen der Gewalt, z.B. sexueller Gewalt, eine anerkannte indirekte Fragemethode an.

Fast 5 Prozent der Partner regulieren die Kontakte der Frauen

Diese erste große deutsche Studie zu diesem Thema zeigt:

  • Körperliche Gewalt: 3,1 Prozent der Frauen erlebten zu Hause mindestens eine körperliche Auseinandersetzung, zum Beispiel Schläge. In 6,5 Prozent der Haushalte wurden Kinder von einem Haushaltsmitglied körperlich bestraft.
     
  • Sexuelle Gewalt: 3,6 Prozent der Frauen wurden von ihrem Partner zum Geschlechtsverkehr gezwungen.
     
  • Emotionale Gewalt: 3,8 Prozent der Frauen fühlten sich von ihrem Partner bedroht. 2,2 Prozent duften ihr Haus nicht ohne seine Erlaubnis verlassen. In 4,6 Prozent der Fälle regulierte der Partner Kontakte der Frauen mit anderen Personen, auch digitale Kontakte, zum Beispiel über Messenger-Dienste.

Ein Vergleich dieser Zahlen mit Daten aus der Zeit vor der Pandemie wäre nicht aussagekräftig, da bisherige Studien nach Gewalterfahrungen innerhalb längerer Zeiträume gefragt haben, nicht aber nach einem Zeitraum weniger Wochen.

Risikofaktor Finanzsorgen

Höher war die Zahl der Opfer sowohl bei Frauen als auch Kindern, wenn

  • sich die Befragten zu Hause in Quarantäne befanden (körperliche Gewalt gegen Frauen: 7,5 %, körperliche Gewalt gegen Kinder: 10,5 %).
     
  • die Familie akute finanzielle Sorgen hatte (körperliche Gewalt gegen Frauen: 8,4 %, körperliche Gewalt gegen Kinder: 9,8 %).
     
  • einer der Partner aufgrund der Pandemie in Kurzarbeit war oder den Arbeitsplatz verloren hatte (körperliche Gewalt gegen Frauen: 5,6%, körperliche Gewalt gegen Kinder: 9,3 %).
     
  • einer der Partner Angst oder Depressionen hatte (körperliche Gewalt gegen Frauen: 9,7 %, körperliche Gewalt gegen Kinder: 14,3 %).
     
  • sie in Haushalten mit Kindern unter 10 Jahren lebten (körperliche Gewalt gegen Frauen: 6,3 %, körperliche Gewalt gegen Kinder: 9,2 %).

Aus diesen Risikofaktoren leiten die Wissenschaftlerinnen mehrere Empfehlungen für bestehende und eventuelle künftige Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen während einer möglichen „zweiten Welle“ der Pandemie ab: „Es sollten Notbetreuungen für Kinder geschaffen werden, die nicht nur Eltern in systemrelevanten Berufen zur Verfügung stehen“, sagt Janina Steinert. „Da Depressionen und Angstzustände das Gewaltpotential erhöhen, sollten psychologische Beratungen und Therapien auch online angeboten und ohne Hürden genutzt werden können. Frauenhäuser und andere Stellen, die Hilfen anbieten, müssen systemrelevant bleiben.“

„Hilfe auch online anbieten“

Die Wissenschaftlerinnen fragten zudem, ob die betroffenen Frauen Hilfsangebote kennen und genutzt haben:

  • 48,2 Prozent der Opfer kannten die Telefonseelsorge, 3,9 Prozent hatten dort angerufen.
     
  • 32,4 Prozent kannten das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“, 2,7 Prozent hatten sich dorthin gewandt.
     
  • 44,3 Prozent kannten das Elterntelefon, 21,5 Prozent hatten dort Hilfe gesucht.  
     
  • 5,5 Prozent kannten die Aktion „Codewort Maske 19“, bei der Apotheken die Behörden verständigen, wenn eine Kundin dieses Codewort sagt. 1,8 Prozent hatten diese Möglichkeit genutzt.

„Wenn Frauen durch ihre Partner intensiv kontrolliert werden, können sie telefonische Beratungsangebote nur schwer nutzen. Hilfe sollte deshalb auch online angeboten werden, per Chat, Messenger und E-Mail“, empfiehlt Cara Ebert. „Die bestehenden Hilfsangebote müssen zudem besser in der Öffentlichkeit beworben werden, zum Beispiel durch große Plakate in Supermärkten und Apotheken sowie durch Onlineanzeigen.“

Quelle: www.tum.de vom 02.06.2020

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt sich positiv auf die geistigen Fähigkeiten aus – anscheinend insbesondere bei schwachen Schülern

Ein verbreitetes Vorurteil lautet, dass kluge Kinder unsportlich sind. Wie eine kürzlich von Professor Keita Kamijo von der Universität Tsukuba und Professor Toru Ishihara von der Kobe University durchgeführte Studie zeigt, ist körperliche Aktivität insbesondere bei schwachen Schülern mit besseren kognitiven Fähigkeiten verbunden, was sich wiederum positiv auf die schulische Leistung auswirkt.

Das Verständnis der Auswirkungen von körperlicher Aktivität auf die geistigen Leistungen bzw. Exekutivfunktionen war bisher aus mehreren Gründen schwierig. „Frühere Studien hatten sich nur überblicksmäßig mit dem Thema befasst“, erklärt Professor Kamijo. „Als wir die Daten aufgeschlüsselt haben, konnten wir feststellen, dass körperliche Aktivität den Kindern am meisten hilft, die zu Beginn schlechter abschneiden.“

Exekutivfunktionen beziehen sich auf drei Arten von kognitiven Fähigkeiten. Die erste beschreibt die Fähigkeit, Impulse zu unterdrücken und reflexartige Verhaltensweisen oder Gewohnheiten zu hemmen. Um diese Fähigkeit zu beurteilen, wurden die Kinder gebeten, die Farbe anzugeben, in der Wörter wie „rot“ und „blau“ auf einem Computerbildschirm angezeigt wurden. Dies ist einfach, wenn die Wörter und Farben übereinstimmen („rot“ in roter Schrift), erfordert jedoch häufig die Hemmung einer Reflexantwort, wenn dies nicht der Fall ist („rot“ in blauer Schrift). Die zweite Fähigkeit ist die Fähigkeit, Informationen im Arbeitsspeicher bzw. Gedächtnis zu speichern und zu verarbeiten. Dies wurde bewertet, indem getestet wurde, wie gut sich Kinder an Buchstabenketten erinnern können, deren Länge variiert. Die dritte kognitive Fähigkeit ist die mentale Flexibilität. Diese wurde gemessen, indem Kinder gebeten wurden, die Regeln für die Kategorisierung farbiger Kreise und Quadrate häufig von formbasiert auf farbbasiert umzustellen.
Professor Kamijo und Professor Ishihara sowie ihre Kollegen analysierten die Daten früherer Experimente erneut, bei denen die Exekutivfunktion bei Kindern vor und nach mehreren Monaten täglicher Intervention mit körperlicher Aktivität wie Aerobic, Ballspielen und Fangenspielen bewertet wurde. Sie betrachteten einen Faktor, der in den ersten Analysen übersehen wurde. Das heißt, sie überlegten, ob die Wirksamkeit der Intervention von den anfänglichen Basiswerten abhängt.

Die Forscher fanden heraus, dass sich die kognitiven Fähigkeiten bei Kindern mit anfänglich schlechten Leistungen am stärksten verbesserten. Das Team stellte außerdem fest, dass ein längerer Zeitaufwand für regelmäßige körperliche Aktivität die kognitiven Funktionen bei Kindern, die mit besseren kognitiven Funktionen starteten, nicht negativ beeinflusste.

Die Feststellung, dass tägliche körperliche Aktivität die Exekutivfunktion bei Kindern verbessern kann, die sie möglicherweise am dringendsten benötigen, hat einige praktische Auswirkungen. „Denn die in unserer Studie bewerteten kognitiven Funktionen hängen mit der schulischen Leistung zusammen“, betonte Professor Kamijo. Den Autoren zufolge ist die tägliche körperliche Aktivität für Kinder im schulpflichtigen Alter von entscheidender Bedeutung.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 24.08.2020

Coronapandemie: Psychische Gesundheit von Kindern verschlechtert

Im Zusammenhang mit der Coronapandemie berichten Kinder und Jugendliche in Deutschland vermehrt von psychischen und psychosomatischen Auffälligkeiten. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien.

Das sind die wesentlichen Ergebnisse der COPSY-Studie, in der Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) die Auswirkungen und Folgen der Coronapandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht haben. Für die Studie COPSY (Corona und Psyche) wurden im Mai und Juni mehr als 1 000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und mehr als 1 500 Eltern online befragt.

Um Aussagen darüber treffen zu können, wie sich die Werte im Vergleich zu der Zeit vor Corona verändert haben, verglichen die Wissenschaftler die aktuellen Werte mit vorher erhobenen Daten bundesweiter Studien. „Die Studie hat gezeigt, dass die Herausforderungen der Pandemie und die damit im sozialen Leben einhergehenden Veränderungen die Lebensqualität und das psychische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen verringern und das Risiko für psychische Auffälligkeiten erhöhen“, erläuterte Prof. Dr. phil. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der Studie und der Forschungsgruppe „Child Public Health“ am UKE.

Laut den Daten stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Die Kinder und Jugendlichen zeigten häufiger Auffälligkeiten wie Hyperaktivität, emotionale Probleme und Verhaltensprobleme. Auch psychosomatische Beschwerden traten während der Coronapandemie vermehrt auf. Vor allem Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss beziehungsweise einen Migrationshintergrund haben, erlebten die coronabedingten Veränderungen als äußerst schwierig, so die UKE-Wissenschaftler. 

Quelle: DEUTSCHES ÄRZTEBLATT PP 8/2020

Onlinespiele und soziale Medien: Corona verstärkt die Sucht

Fast 700 000 Kinder und Jugendliche in Deutschland weisen nach den neuen ICD-10-Kriterien der WHO einen riskanten oder pathologischen Medienkonsum auf. Das hat gerade eine neue Studie der DAK-Gesundheit und des Deutschen Zentrums für Suchtfragen im Kindes- und Jugendalter (DZSKJ) am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) gezeigt. Die Wissenschaftler befragten rund 1 200 Familien mit Kindern zwischen zehn und 17 Jahren zur Nutzung von Onlinespielen (Gaming) und sozialen Medien. Jungen sind dabei doppelt so häufig von pathologischem Gaming betroffen wie Mädchen. In extremen Fällen müssen die spielsüchtigen Kinder sogar stationär aufgenommen werden. Prof. Dr. med. Rainer Thomasius, ärztlicher Leiter des DZSKJ, berichtete im Zusammenhang mit der Studie von rund 400 Neuaufnahmen jedes Jahr allein am UKE – Tendenz steigend. Während des Coronalockdowns stiegen die Nutzungszeiten beim Gaming werktags durchschnittlich um 75 Prozent an, von 79 auf 139 Minuten am Tag. Ebenso stiegen die Zeiten für die Nutzung sozialer Medien um 66 Prozent von 116 auf 193 Minuten. Die Wissenschaftler befragten die Kinder und Jugendlichen hierzu im Mai und verglichen die Zahlen mit denen aus September 2019. Sie wollen die Befragung im Frühjahr 2021 wiederholen, um mithilfe dieser Längsschnittstudie herauszufinden, ob die Mediensucht durch Schulschließungen und eingeschränkte Freizeitaktivitäten tatsächlich wächst. Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand, schließlich gaben die Heranwachsenden als Gründe für Gaming und Soziale-Medien-Nutzung an, vor allem Langeweile bekämpfen zu wollen und soziale Kontakte aufrecht zu erhalten. Rund ein Drittel gab auch an, digitale Medien zu nutzen, um der Realität zu entfliehen, Stress abzubauen und Sorgen vergessen zu wollen. Sollte eine zweite Welle der COVID-19-Pandemie tatsächlich kommen und ein erneuter Lockdown notwendig werden, inklusive Schließung von Schulen sowie Sport- und Freizeitvereinen, würde man noch mehr mediensüchtige Kinder heranziehen. Natürlich sollten digitale Medien nicht grundsätzlich verteufelt werden. Ohne sie wäre der Coronalockdown nicht so gut bewältigt worden. Lernplattformen und Videokonferenzen haben zumindest einen Teil des Unterrichtsausfalls auffangen können. Doch von diesen Anwendungen wird sicherlich kein Heranwachsender abhängig werden.

Ein zweiter Lockdown wäre fatal für die junge Generation und sollte am Ende einer Kette möglicher Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 stehen. Davon unabhängig ist es wichtig, dass sich Eltern mit dem Medienverhalten ihrer Kinder konfrontieren und Regeln einführen. Erstaunlicherweise gaben rund die Hälfte der befragten Eltern der Nutzungsstudie an, dass es vor und während der Coronapandemie keine zeitlichen Regeln für Medienkonsum in ihren Familien gab. Rund 80 Prozent haben zudem keine Ahnung von den Inhalten mit denen sich ihre Kinder online beschäftigen. Kinder- und Jugendpsychiater Thomasius macht dies „große Sorgen“ und er fordert entsprechende Präventionsansätze. Doch wie kann man Eltern dabei unterstützen, den Medienkonsum ihrer Kinder zeitlich zu begrenzen ohne tägliche Konflikte? Die Drogenbeauftragte und die Beauftragte für Digitalisierung der Bundesregierung haben hierfür die neue Kampagne „Familie. Freunde. Follower“ gestartet. Ob das hilft, ist ungewiss – zumindest ist das Thema jetzt endlich auf der politischen Agenda.

Quelle: DEUTSCHES ÄRZTEBLATT PP 8/2020

Corona-Regeln nach den Ferien:

NORDRHEIN-WESTFALEN (Schuljahr beginnt am 12. August)

Im bevölkerungsreichsten Bundesland mit seinen 5500 Schulen und rund 2,5 Millionen Schülern gelten die vorerst strengsten Regeln: Im neuen Schuljahr muss an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen auch im Unterricht eine Maske getragen werden – das gilt zunächst zum 31. August. Soweit Lehrkräfte den empfohlenen Mindestabstand von 1,5 Metern nicht sicherstellen können, gilt die Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung auch für sie. An Grundschulen müssen die Jahrgänge 1 bis 4 im Schulgebäude und auf dem Gelände einen Mund-Nasen-Schutz tragen – nicht aber, wenn die Schüler auf ihren festen Plätzen im Unterricht sitzen. Die Beschäftigten von Schulen und Kitas in NRW können sich bis zu den Herbstferien alle 14 Tage freiwillig und kostenlos auf Corona testen lassen.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 04.08.2020