Psychisch kranke Kinder und Jugendliche: Separate Bedarfsplanung gefordert

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) fordern die Politik in einem Positionspapier auf, Schritte zu unternehmen, um die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher zu stärken. Dazu gehören ihres Erachtens eine bessere alltagsnahe Prävention, die Einführung einer gezielten separaten Bedarfsplanung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie die Stärkung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung. BPtK und BKJPP weisen in dem Papier auf den zunehmenden Bedarf junger Menschen an psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung hin. Allein die Zahl der Depressionen sei Studien zufolge bei Fünf- bis 24-Jährigen zwischen 2018 und 2023 um 30 Prozent gestiegen. Bei jedem fünften Heranwachsenden bestehe der Verdacht auf eine Essstörung. Schwere Krankheitsverläufe nähmen zu. Diese Entwicklung sei „alarmierend“ und dennoch gebe es zu wenig spezifische Behandlungskapazitäten. Kinder und Jugendliche müssten in der Folge durchschnittlich 28 Wochen auf einen Therapieplatz warten. Besonders schwierig sei die Situation auf dem Land. Nur eine zielgenaue Bedarfsplanung könne wohnortnahe, bedarfsgerechte, flexible und altersadäquate Angebote fördern.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Ausgabe 9/2026

Zukunftsängste belasten Kinder und Jugendliche, aber sie verfügen über gute mentale Ressourcen

Die Ergebnisse der achten Befragungsrunde der COPSY-Studie (Child Outcomes in PSYchology) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigen, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle spielen. Neu ist, dass sich die junge Generation neben ihren Ängsten vor Kriegen und Terrorismus auch Sorgen um die Spaltung der Gesellschaft und Zuwanderung macht.

Auch ist die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen immer noch schlechter als vor der Pandemie: Ein Fünftel berichtet von eingeschränkter Lebensqualität und psychischen Belastungen, besonders häufig betroffen sind Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren. Die Studie zeigt aber auch, dass Kinder und Jugendliche über gute Bewältigungsstrategien verfügen, um die momentanen Krisen zu meistern.

„Unsere COPSY-Studie zeigt immer noch eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu den präpandemischen Daten. Aber nicht jedes Kind mit psychischen Belastungen muss auch behandelt werden – viele junge Menschen entwickeln starke Bewältigungsstrategien und verfügen über persönliche Ressourcen. Diese Stärken müssen wir gezielt fördern, idealerweise schon in der Schule, um ihre mentale Gesundheit nachhaltig zu stärken“, fasst Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Leiterin der Forschungssektion Child Public Health der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE, die aktuellen Studienergebnisse zusammen.

Lebensqualität und psychische Gesundheit nicht weiter verbessert

Die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen hatte sich zu Beginn der Pandemie in 2020 im Vergleich zu den präpandemischen Daten (der BELLA-Studie im Zeitraum von 2014 bis 2017) deutlich verschlechtert, dann in den Jahren 2022 und 2023 wieder verbessert und stagniert jetzt auf einem stabilen Niveau. 22% der jungen Menschen geben weiterhin eine geminderte Lebensqualität an. Damit liegt die Prävalenz noch etwa sieben Prozentpunkte über den Werten vor der Corona-Pandemie. Neu ausgewertet wurde der Verlauf der Einsamkeit. Hier ist das Ergebnis ähnlich wie bei der Lebensqualität: Fühlten sich während der Pandemie rund 39% der Kinder und Jugendlichen einsam, sind es aktuell noch 18%. Auch hier ist noch nicht wieder das präpandemische Niveau von 14% erreicht.

Ängste und depressive Symptome stärker ausgeprägt bei jungen Frauen

Die allgemeinen psychischen Belastungen sind ähnlich wie in den Vorjahren stabil geblieben. Allerdings ist es auffällig, dass Mädchen und Frauen ab 14 Jahren stärker von psychischen Belastungen betroffen sind als Jungen. Vor allem jugendliche Mädchen und junge Frauen berichten deutlich häufiger von depressiven Symptomen, hier stieg der Anteil im letzten Jahr von 11 auf 17%, sowie von Angstsymptomen, hier konnte ein signifikanter Anstieg von 20 auf 31% festgestellt werden.

Deutliche Zunahme der Besorgnis über globale Themen und gesellschaftliche Diskurse

Die COPSY-Studie zeigt auch, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen und Krisen einen spürbaren Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Während die Folgen der Pandemie kaum noch eine Rolle spielen, setzen sie sich nun intensiv mit Themen wie Kriegen (70%), Terrorismus (62%), wirtschaftlicher Unsicherheit (57%) und der Klimakrise (49%) auseinander und erleben diese Entwicklungen als belastend. Neu erhoben wurden jetzt Fragen nach gesellschaftlicher Uneinigkeit und migrationspolitischen Herausforderungen: 56% der Befragten sorgen sich um eine Spaltung der Gesellschaft und 51% aufgrund von Zuwanderung.

„Diese globalen Sorgen und gesellschaftlichen Diskussionen führen bei vielen jungen Menschen zu mehr Ängsten und Belastungen. Kinder und Jugendliche, die unter krisenbezogenen Zukunftsängsten leiden, haben ein 3,4 mal höheres Risiko für psychische Auffälligkeiten, Ängste, depressive Symptome und Einsamkeit. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass sie über soziale Medien häufig mit ungefilterten oder belastenden Inhalten konfrontiert werden, was diese Entwicklungen weiter verstärken. Kinder und Jugendliche brauchen eine gute Medienkompetenz, um Inhalte einzuordnen und ihre Nutzung regulieren zu können“, sagt Erstautorin Dr. Anne Kaman, Stellvertretende Leiterin der Forschungssektion Child Public Health der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) für Schule und zum Spiel

Ebenso haben die Forschenden festgestellt, dass KI bereits fest im Alltag von Kindern und Jugendlichen verankert ist. Am häufigsten wird KI zur Unterstützung beim Lernen im Bereich der Schule und bei den Hausaufgaben (77%) genutzt. Kinder und Jugendliche sehen KI aber nicht nur als Arbeitsmittel, sondern auch als Spiel- und Kreativwerkzeug: Spaß (66%), Neugier (56%) und Erstellen von Bildern/Videos (26%). Der soziale oder emotionale Einsatz spielt nur eine untergeordnete Rolle. „Wir haben mit Erleichterung festgestellt, dass nur ein sehr kleiner Teil von 7% der Kinder und Jugendlichen KI nutzt, um über persönliche Sorgen zu sprechen. Das deutet darauf hin, dass KI bisher nicht als emotionaler oder sozialer Ansprechpartner angesehen wird“, sagt Dr. Kaman.

Intaktes soziales Umfeld schützt vor psychischen Beeinträchtigungen

Kinder, die Selbstwirksamkeit erleben, in stabilen sozialen Verhältnissen leben und von unterstützenden familiären Strukturen profitieren, zeigen in der Regel eine robustere psychische Gesundheit und berichten seltener von Angst- oder Depressionssymptomen. Im Gegensatz dazu tragen Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die unter engen Wohnbedingungen leben und deren Eltern psychisch belastet sind, ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Beeinträchtigungen. „Unsere Daten zeigen, dass diese Kinder häufiger Ängste, depressive Symptome und eine geringere Lebensqualität haben. Für diese Kinder und Familien braucht es niedrigschwellige Angebote in Schulen und im sozialen Umfeld, um diesen sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten zu begegnen“, sagt Prof. Ravens-Sieberer.

Über die Studie

In der COPSY-Studie untersuchen die UKE-Forschenden die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie und globaler Krisen auf die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Es ist das einzige langfristige Gesundheitsmonitoring in Deutschland, das sich mit der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen befasst. Insgesamt haben 3.312 Familien mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 23 Jahren an mindestens einer Befragungswelle der COPSY-Studie von Mai 2020 bis Oktober 2025 teilgenommen, an der achten Befragungswelle nahmen 1.607 Familien teil. Die 11- bis 23-Jährigen füllten ihre Online-Fragebögen selbst aus. Für die 7- bis 10-Jährigen antworteten die Eltern. Die Mehrheit der Eltern hatte einen mittleren Bildungsabschluss. Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen hatte einen Migrationshintergrund und ein Fünftel der Eltern war alleinerziehend.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 30.04.2026

Eltern erkennen oft, wenn ihr Kind ernsthaft krank ist

Eltern haben häufig ein gutes Gespür dafür, wenn ihr Kind schwer erkrankt ist. Eine finnische Studie zeigt: Äußern Eltern starke Sorge um die Gesundheit ihres Kindes, weist dies in den meisten Fällen tatsächlich auf ernsthafte Erkrankungen hin. Zu diesem Ergebnis kommt eine finnische Studie.

Die Forschenden um die Kinder- und Jugendärztin Dr. Hilla Pöyry von der Universität Oulu (Finnland) untersuchten rund 2.400 Kinder und Jugendliche, die in einer Notaufnahme behandelt wurden. Die Eltern beantworteten vor der ärztlichen Untersuchung einen umfangreichen Fragebogen mit 36 Fragen. Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob der digitale Fragebogen ein geeignetes Instrument für Eltern sein kann, um den Gesundheitszustand eines kranken Kindes zu Hause einzuschätzen, bevor sie die Notaufnahme aufsuchen.

Das Ergebnis: Die elterliche Sorge erwies sich als besonders zuverlässiger Hinweis auf eine schwere Erkrankung. In etwa 91% der Fälle, in denen Kinder tatsächlich schwer krank waren, hatten die Eltern zuvor deutliche oder starke Besorgnis geäußert.

„Bauchgefühl“ wenig geeignet, um leichte Verläufe auszuschließen

„Die Besorgnis der Eltern ist ein wichtiges Warnsignal“, betont Pöyry. Allerdings zeigte sich auch eine wichtige Einschränkung: Zwar eignet sich die elterliche Einschätzung gut, um schwer kranke Kinder zu erkennen (hohe Sensitivität), sie ist jedoch wenig geeignet, leichte Verläufe auszuschließen. Viele Eltern sind auch dann besorgt, wenn keine ernsthafte Erkrankung vorliegt.

Der untersuchte Fragebogen konnte die Einschätzung der Eltern nicht entscheidend verbessern. Zusätzliche Detailfragen lieferten keinen nennenswerten diagnostischen Mehrwert. Die Forschenden schließen daraus: Die Sorge der Eltern sollte in der medizinischen Einschätzung ernst genommen werden – kann aber eine ärztliche Untersuchung nicht ersetzen. „Wenn Eltern sich Sorgen um ihr plötzlich erkranktes Kind machen, sollte dieses unbedingt ärztlich untersucht werden“, so Pöyry.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und medizinischem Personal: Auch wenn Eltern Symptome nicht immer präzise beschreiben können, erkennen sie häufig früh, wenn „etwas nicht stimmt“.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 13.04.2026

Autismus: Vermutlich Anzahl betroffener Mädchen ähnlich hoch wie bei Jungen

Autismus könnte bei Mädchen und Jungen ähnlich häufig auftreten. Zu diesem Schluss kommt eine umfangreiche schwedische Studie. Autismus galt lange als eine Erkrankung, die vorwiegend Jungen betrifft. Eine schwedische Forschungsarbeit, veröffentlicht im BMJ, zeigt jedoch, dass Autismus bei Jungen und Mädchen tatsächlich vergleichbar häufig vorkommt. Die Ergebnisse belegen einen deutlichen Aufholeffekt bei Mädchen in der Adoleszenz.

Die Prävalenz von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) hat in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen, mit einem Verhältnis von Jungen zu Mädchen von etwa 4:1. Die vermehrte Diagnose von Autismus beruht vermutlich u.a. auf erweiterten Diagnosekriterien und gesellschaftlichen Veränderungen (z. B. dem Alter der Eltern). Das hohe Verhältnis von Jungen zu Mädchen wird auf bessere soziale und kommunikative Fähigkeiten bei Mädchen zurückgeführt, wodurch Autismus bei letzteren schwerer zu erkennen ist. Bislang hat jedoch keine größere Studie diese Trends über den gesamten Lebensverlauf untersucht.

Diagnosehäufigkeit: Bis zum Alter von 20 Jahren verliert sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern

Um dies zu untersuchen, nutzten Forscher*innen nationale Register, um die Diagnosehäufigkeit von Autismus bei 2,7 Millionen in Schweden zwischen 1985 und 2022 geborenen Personen zu analysieren. Diese Personen wurden von der Geburt bis zu einem Alter von maximal 37 Jahren begleitet.

Während dieses Beobachtungszeitraums von über 35 Jahren wurde bei 78.522 (2,8%) der erfassten Schweden Autismus diagnostiziert, im Durchschnittsalter von 14,3 Jahren. Die Diagnosehäufigkeit stieg mit jedem Fünfjahresintervall im Kindesalter an und erreichte ihren Höhepunkt mit 645,5 pro 100.000 Personenjahre bei Jungen im Alter von 10–14 Jahren und 602,6 bei Mädchen im Alter von 15–19 Jahren. Obwohl Jungen im Kindesalter häufiger die Diagnose Autismus erhielten, holten Mädchen in der Adoleszenz auf, sodass das Verhältnis von Jungen zu Mädchen im Alter von 20 Jahren nahezu 1:1 erreichte.

Grenzen der Studie

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Autor*innen räumen ein, dass sie andere mit Autismus assoziierte Erkrankungen wie ADHS und geistige Behinderung nicht berücksichtigt haben. Auch konnten sie gemeinsame genetische und Umweltfaktoren wie die psychische Gesundheit der Eltern nicht kontrollieren.

Daher schreiben sie: „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Verhältnis von Männern zu Frauen mit Autismus im Laufe der Zeit und mit steigendem Diagnosealter abgenommen hat. Dieses Verhältnis könnte daher deutlich niedriger sein als bisher angenommen, sodass es in Schweden im Erwachsenenalter möglicherweise nicht mehr erkennbar ist.“

„Diese Beobachtungen unterstreichen die Notwendigkeit zu untersuchen, warum Frauen später diagnostiziert werden als Männer“, schließen sie.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 30.03.2026

Langzeitstudie: Zwei Drittel der Jugendlichen mit Reizdarmsyndrom sind im jungen Erwachsenenalter beschwerdefrei

Eine neue Langzeitstudie bringt Hoffnung für Jugendliche, die vom Reizdarmsyndrom geplagt sind: Die Mehrheit der Betroffenen ist im Erwachsenenalter frei von den typischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms, wie häufige Bauchschmerzen und Krämpfe.

Forschende der Universität Göteborg und des Karolinska-Instituts in Schweden begleiteten über 2.500 in den 1990er-Jahren Geborene, um die Veränderungen ihres Verdauungssystems im Erwachsenenalter zu verfolgen.
Die Teilnehmenden wurden im Alter von 16 und 24 Jahren anhand standardisierter, auf den Rome-Kriterien basierender Fragebögen untersucht. Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass das Reizdarmsyndrom im Jugendalter häufig keinen chronischen Verlauf nimmt und in vielen Fällen remittiert. Zwei Drittel der 16-Jährigen, die anfänglich die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom erfüllten, waren acht Jahre später beschwerdefrei, so die Studie.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Reizdarmsyndrom im Jugendalter kein statisches Krankheitsbild ist“, verdeutlichte die Hauptautorin Dr. Jessica Sjölund, Gastroenterologin an der Universität Göteborg in Schweden. „Bei vielen Betroffenen bessern sich die Symptome mit der Zeit, und gleichzeitig können wir nun diejenigen besser identifizieren, die ein höheres Risiko für anhaltende Probleme haben“, fügte sie in einer Pressemitteilung hinzu. Obwohl die Prognose für viele positiv ist, blieben die Reizdarmsymptome bei 34% der jungen Erwachsenen bestehen.

Risikofaktoren für anhaltende Beschwerden

Die Wissenschaftler*innen konnten einige Faktoren herausarbeiten, die bei dieser Gruppe anhaltende Reizdarmsymptome vorhersagten. Der stärkste Prädiktor für Reizdarmsyndrom im Alter von 24 Jahren war eine Diagnose im Alter von 16 Jahren. Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhten, dass Reizdarmsyndrom bis in die Zwanzigerjahre fortbestand, waren hoher psychischer Stress, schlechte Schlafqualität, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und eine generell niedrigere Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands.

Auch die Familiengeschichte spielte eine wichtige Rolle. Jugendliche, bei denen mindestens ein Elternteil vom Reizdarmsyndrom betroffen war, hatten deutlich häufiger anhaltende Beschwerden. Dieser Zusammenhang weist auf mögliche genetische und umweltbedingte Einflussfaktoren hin.

Frühe Maßnahmen entscheidend

Frühe Intervention ist entscheidend, betonten die Forschenden. Da viele dieser Risikofaktoren mit Lebensstil und psychischem Wohlbefinden zusammenhängen, legen die Ergebnisse nahe, dass die Jugendjahre ein wichtiges Zeitfenster darstellen, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.Die Ergebnisse unterstreichen, dass das Jugendalter ein entscheidendes Interventionsfenster darstellt. Maßnahmen zur Stressreduktion, Verbesserung der Schlafqualität und frühzeitige psychosoziale Unterstützung könnten dazu beitragen, das Risiko eines chronischen Verlaufs deutlich zu senken.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de/ vom 16.03.2026

Kinder und Jugendliche: KI-Chatbots gegen Einsamkeit

Die DAK-Suchtstudie zeigt, dass KI-Chatbots den riskanten Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen erhöhen. Die Mediensucht bei Minderjährigen bleibt auf einem hohen Niveau.

Chatbots mit Künstlicher Intelligenz (KI) erhöhen einer Längsschnittuntersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) für die DAK-Gesundheit zufolge den riskanten Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen. Die DAK-Suchtstudie wurde Ende März in Berlin vorgestellt.

Bis zu etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen wenden sich demnach an ChatGPT und andere KI-Chatbots, um sich von negativen Gefühlen abzulenken, Einsamkeit zu lindern oder vertrauliche Dinge zu besprechen. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen sind es sogar 33 Prozent. Ebenfalls 33 Prozent gaben demnach an, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch.

„Primär kommerziell motivierte KI-Chatbots bergen besondere Risiken für Kinder und Jugendliche“, warnte PD Dr. med. Kerstin Paschke, Studienleiterin und ärztliche Leiterin des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am UKE. Durch die Imitation menschlicher Kommunikation und die häufig bestätigenden Reaktionen sollten intensive Nutzungsmuster gefördert werden. „Hierdurch können junge Menschen im Rahmen einer sogenannten parasozialen Beziehung eine emotionale Bindung zum Chatbot entwickeln, die mit größeren psychischen Belastungen einhergeht und problematische Nutzungsmuster begünstigen kann“, so Paschke.

Mehr als jeder oder jede vierte Minderjährige nutzt der Suchtstudie zufolge KI-Anwendungen mehrmals pro Woche. Ab dem Alter von 15 Jahren verwenden mehr als die Hälfte die Chatbots mindestens wöchentlich. Dabei vertrauen mehr als zwei Drittel der befragten Heranwachsenden den Aussagen eines KI-Chatbots mindestens manchmal. Über 40 Prozent vertrauen ihm oft oder sehr oft.

Insgesamt bleibt die Mediensucht bei Minderjährigen auf einem hohen Niveau. Seit 2019 wird die repräsentative Längsschnittstudie von der DAK-Gesundheit und dem UKE gemeinsam durchgeführt, sodass ein Vergleich möglich ist. 2025 fand die achte Erhebungswelle statt. Befragt wurden rund 1 000 Heranwachsende zwischen zehn und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil.

Jedes vierte Kind zeigt laut der Studie eine problematische Social-Media-Nutzung. Davon betroffen sind eineinhalb Millionen junge Menschen. 21,5 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen haben eine riskante Nutzung. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil leicht an. 6,6 Prozent gelten als süchtig. Hochgerechnet sind das rund 350 000 Kinder und Jugendliche. Der Anteil der mediensüchtigen Minderjährigen stieg um 1,9 Prozent.

Riskante Nutzung von Onlinevideos nimmt zu

Jeder Fünfte nutzt Onlinevideos von Streamingdiensten, Reels oder ähnliches auf riskante Weise. Der Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent an. Vier Prozent der Kinder und Jugendlichen erfüllen demnach die Suchtkriterien. Auch das medienschutzbezogene Handeln der Eltern wurde in den Blick genommen: 61,5 Prozent sprechen demnach mit ihren Kindern über deren Mediennutzung. Ähnlich viele geben vor, welche Inhalte ihr Kind nutzen darf.

„Die Nutzung digitaler Medien ist ein komplexes Thema, das sich nicht allein durch Altersgrenzen lösen lässt. Gleichzeitig darf diese Komplexität keine Ausrede sein, auf regulatorische Maßnahmen zu verzichten“, betonte Dr. med. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. DAK-Vorstandschef Andreas Storm forderte bis zur Sommerpause gesetzliche Regeln für eine Altersregulierung: „Damit Maßnahmen im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln.“

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 04/26

Kinder und Jugendliche: S3-Leitlinie zu depressiven Störungen aktualisiert

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie hat eine aktualisierte Fassung der S3-Leitlinie „Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ vorgestellt. Vor allem die frühzeitige Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression an den Therapieentscheidungen auf der Basis einer alters- und entwicklungsangemessenen Aufklärung und Partizipation ist nach Angaben der Leitliniengruppe eine wichtige Neuerung in der Leitlinie“, erläuterte Prof. Dr. med. Gerd Schulte-Körne, München.

„Eine wichtige neue Empfehlung ist, dass unabhängig vom Schweregrad der Depression nach der fachärztlichen Diagnosestellung eine Behandlung immer erfolgen soll“, betonte Schulte-Körne. Da sich Symptomatik, Behandlungsbedarf und Wirksamkeit therapeutischer Ansätze altersabhängig unterscheiden, lassen sich Erkenntnisse aus dem Erwachsenenbereich laut dem Leitlinienteam nicht auf Kinder und Jugendliche übertragen.

Erstmals spricht die Leitlinie deshalb sogar getrennte Empfehlungen für drei Altersgruppen aus: jüngere Kinder (3–6 Jahre), ältere Kinder (7–12 Jahre) und Jugendliche (13–18 Jahre). Beispielsweise gewinnen bei den mittleren Altersgruppen familienbasierte Verfahren an Bedeutung – so wird für sieben- bis zwölfjährige Kinder die familienbasierte interpersonelle Therapie als Alternative zur Behandlung der ersten Wahl angeraten, während für drei- bis sechsjährige Kinder die Parent-Child-Interaction-Therapy – Emotion Development (PCIT-ED) empfohlen wird.

Über alle Altersgruppen sowie Schweregrade hinweg betrachtet die Leitlinie aber weiterhin die Psychotherapie als vorrangige Behandlungsform. Ergänzende Maßnahmen gewinnen in der Behandlung depressiver Störungen zunehmend an Bedeutung. Die Leitlinie spricht explizite Empfehlungen für Sport und Bewegung, künstlerische Therapien sowie begleitende Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe aus.

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 03/26

Kinder und Jugendliche: Forderung nach mehr Schutz vor digitaler Ausbeutung

Immer mehr Kinder erscheinen auf öffentlich zugänglichen Social-Media-Kanälen, auf denen Eltern oder Sorgeberechtigte Inhalte über sie veröffentlichen. Die Kinderkommission des Bundestages benennt in einer neuen Stellungnahme Risiken für die Kinder und unterbreitet Vorschläge, wie ihre Persönlichkeitsrechte und ihr Schutz im digitalen Raum gestärkt werden können.

„Kinder sind keine Klicks. Sie haben ein Recht auf Schutz, Privatsphäre und eine ungestörte Persönlichkeitsentwicklung – auch im digitalen Raum“, sagte der Vorsitzende der Kinderkommission, Michael Hose (CDU). Unter Begriffen wie „Sharenting“ aus englisch „share“ und „parenting“ oder „Family Influencing“ hat sich eine neue Form der Vermarktung von Kindheit etabliert. Kinder werden Teil digitaler Inszenierungen, ohne selbst bestimmen zu können, ob und wie ihr Leben digital sichtbar wird.

Erfolgreiche Family-Influencer erreichen laut der Kommission ein Millionenpublikum und geben tiefe Einblicke in geschützte kindliche Lebenswelten. Oftmals werde dies mit lukrativen Werbehinweisen oder Produktverlinkungen versehen. „Die Anwendung des bestehenden Rechts wird den Risiken des Sharentings bislang nicht vollumfänglich gerecht“, warnt die Kommission. Weder das Kunsturhebergesetz noch die Datenschutz-Grundverordnung, das Familienrecht oder bestehende jugendschutzrechtliche Regelungen, etwa aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz, gewährleisteten bislang einen ausreichenden Schutz von Kindern und Jugendlichen.

Die Kinderkommission empfiehlt daher eine Altersgrenze für Sharenting zu prüfen, Darstellungen von Kindern in intimen, bloßstellenden oder emotional belastenden Momenten zu verbieten, ein Widerrufsrecht- und Löschrechte für Kinder einzuführen.

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 03/26

Kinder und Jugendliche: Lange Wartezeiten in Kinderpsychiatrien

Die psychische Gesundheit von Kindern und Teenagern hat sich deutlich verschlechtert und führt zu mehr längeren Klinikaufenthalten. Wegen der fünf häufigsten Diagnosen in dem Bereich mussten letztes Jahr 44 381 Minderjährige stationär behandelt werden. Vier Jahre zuvor lag die Zahl bei nur 34 499. Das meldete Correctiv unter Berufung auf Daten der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Minderjährige Betroffene müssen inzwischen vier bis sechs Monate auf einen Platz warten, der Vorstandsvorsitzende der DKG, Gerald Gaß. „Diese lange Wartezeit ist natürlich gerade in der Kinder- und Jugendpsychiatrie hochproblematisch.“

Erst vor wenigen Wochen hatte der Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit aufgezeigt, dass die Coronapandemie, die Klimakrise sowie Kriege, gesellschaftlicher Druck und Zukunftsängste viele Kinder und Jugendliche belastet. Vor allem Mädchen seien wegen psychischer Probleme oft dauerhaft in Behandlung, hieß es. Ende Oktober hatten die Bundesschülerkonferenz (BSK) und das Institut der deutschen Wirtschaft mit Blick auf psychische Probleme bei Schülern vor den langfristigen Folgen gewarnt. „Wir stecken in einer tiefen Krise. Uns geht’s nicht gut und wenn wir da nicht rauskommen, dann hat das extreme volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen“, sagte BSK-Generalsekretär Quentin Gärtner bei einer Pressekonferenz. 

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 02/26