Typ-1-Diabetes: Einkommenseinbußen vor allem bei den Müttern

Im Durchschnitt fast 7 % betragen die Einkommensverluste von Müttern, wenn bei ihren Kindern ein Typ-1-Diabetes festgestellt wurde. Diese Zahlen hat die Universität Uppsala anhand einer Auswertung der Kinder mit Typ-1-Diabetes, festgehalten im schwedischen Diabetesregister „Swediabkids“ und unter Heranziehung der Steuererklärungen ihrer Eltern, errechnet. In Schweden liegt das durchschnittliche Alter bei Erstdiagnose der Erkrankung bei 9 Jahren. Dies entspricht ungefähr auch den Zahlen in Deutschland. Es sind vorwiegend die Mütter, die die Blutzuckerwerte der Kinder überprüfen und vor den Mahlzeiten das Insulin injizieren beziehungsweise teilautomatisierte Systeme kontrollieren, Hyperglykämien vermeiden und auf Hypoglykämien reagieren müssen, abrufbereit für Notfälle in Schule und Freizeit sind, die Kinder zu Arztbesuchen und ins Krankenhaus begleiten. Wenn die Kinder die Pubertät erreichen, sind in der Realität Mütter häufiger als Väter eine wichtige Stütze und Gesprächspartner für die Teenager, die oft mit ihrem Schicksal hadern. Die Einkommenseinbußen der Mütter, die selbst nach 17 Jahren gegenüber Müttern von nichtdiabetischen Kindern noch nicht ganz ausgeglichen sind, führen später auch zu geringeren Rentenansprüchen.

Quelle: Supplement/ Pädiatrie 1/2025

Psychische Erkrankungen auf TikTok oft falsch dargestellt

Informationen zu psychischen Erkrankungen und zur psychischen Gesundheit sind auf dem deutschsprachigen TikTok-Kanal häufig falsch – nur knapp jeder 5. Videoinhalt ist korrekt. Das berichtet eine Forschungsgruppe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Essen und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen.

Die Forschungsgruppe analysierte je 30 deutschsprachige TikTok-Videos über jeden der 6 meistgesehenen Hashtags zu psychischen Störungen: Das sind Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Depression, Autismus, Angststörung, Narzissmus und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Die Videos wurden hinsichtlich der Urheberschaft klassifiziert und entweder als „korrekt“, „überverallgemeinert“, „falsch“ oder „subjektive Erfahrung“ bewertet.

Für die Bewertung der Zuverlässigkeit und Qualität der Informationen für Patienten verwendete das Forschungsteam das modifizierte DISCERN-System. Dies ist ein Instrument zur Bewertung der Qualität und Zuverlässigkeit von Gesundheitsinformationen.

Es umfasst 15 Kriterien – unter anderem „Klare Ziele haben“, „Informationsquellen klar benennen“ und „Die Auswirkungen von Behandlungsverfahren auf die Lebensqualität beschreiben“.

Es zeigte sich: Die 177 Videos, die schließlich in die Studie aufgenommen wurden, verzeichneten insgesamt 94.348.220 Aufrufe. 19,2 % (n = 34) der Videos wurden als korrekt bewertet, 33,3 % (n = 59) als falsch, 18,1 % (n = 32) als überverallgemeinert und 29,4 % (n = 52) als persönliche Erfahrung.

Videos von Fachleuten wie Ärztinnen und Ärzten und anderen waren deutlich zuverlässiger. Sie erreichten bessere Bewertungen in Bezug auf Richtigkeit, Klarheit und wissenschaftliche Qualität. Im Gegensatz dazu sind Inhalte von Laien oder sogenannten „Coaches“ den Forschenden zufolge oft unzureichend recherchiert und ungenau oder irreführend.

Aaron Mroß, der die Studie zusammen mit Benedikt Langenbach aus der Arbeitsgruppe Psychopathologische Forschung unter Leitung von Katja Kölkebeck entwickelt und durchgeführt hat, wünscht sich, dass Gesundheitsinstitutionen und Behandler sich stärker als bisher in die sozialen Medien einbringen.

„Wenn Fachleute auf Social Media klare, verständliche und ansprechende Inhalte erstellen, könnten sie den Fehlinformationen entgegenwirken“, betonte er. Die Fehlinformationen auf TikTok könnten zu falschen Selbstdiagnosen oder einem verzögerten Therapiebeginn führen, warnen die Forschenden.

„Umso wichtiger ist es, dass medizinische Expertinnen und Experten und Berufsverbände dort qualitativ hochwertige Informationen anbieten, damit Patienten möglichst schnell eine für sie passende Behandlung finden können“, appellierte auch Langenbach, der Letztautor der Studie.

Quelle: www.aerzteblatt.de vom 08.04.2026

Pipamperon-Urteil: Bewährungsstrafe für Kinderpsychiater

Das Bonner Landgericht hat den Kinderpsychiater und Sachbuchautor Michael Winterhoff wegen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Die Kammer befand den 71-Jährigen der vorsätzlichen Körperverletzung in sieben Fällen sowie der fahrlässigen Körperverletzung für schuldig.

Zwar habe der Angeklagte Kindern und Jugendlichen das umstrittene Psychopharmakon Pipamperon zur Dauerbehandlung verordnet. Anders als von der Staatsanwaltschaft angenommen, habe er dies jedoch nicht getan, um Patienten zu schaden. Vielmehr habe der Angeklagte „aus seiner ureigenen ärztlichen Überzeugung und in heilender Absicht gehandelt“, sagte die Richterin.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Winterhoff eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert. Laut Anklage soll er Patienten Pipamperon ohne medizinische Notwendigkeit verordnet und Sorgeberechtigte nicht über mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt haben. Das Gericht stellte jedoch fest, der Angeklagte habe „Nebenwirkungen des Medikaments ersichtlich vermeiden“ wollen. Zudem habe er Einwilligungen von den Sorgeberechtigten eingeholt – allerdings in der irrigen Annahme, sie ausreichend aufgeklärt zu haben.

Winterhoff hatte die Anklagevorwürfe im Prozess zurückgewiesen. Seine Verteidiger plädierten auf Freispruch. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt PP/ Ausgabe 4/2026

Psychotherapeutinnen und -therapeuten: Geringe Wertschätzung

Was gerade geschieht ist ein Frontalangriff auf die psychotherapeutische Versorgung. Zuerst hat der Erweiterte Bewertungsausschuss am 11. März entschieden, die psychotherapeutische Vergütung ab dem 1. April um 4,5 Prozent abzusenken, nachdem der GKV-Spitzenverband zuvor sogar zehn Prozent gefordert hatte. Die Proteste reißen seitdem nicht ab, viele Psychotherapeutinnen und -therapeuten gehen auf die Straße. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat eine Klage angekündigt. Als wäre die pauschale Honorarabsenkung, die in dieser Form ein Novum ist, noch nicht Ausdruck der Geringschätzung der Berufsgruppe genug, legte die Finanzkommission Gesundheit am 30. März nach. Sie empfiehlt der Bundesregierung in ihrem Bericht breite Einschnitte bei der ärztlichen und psychotherapeutischen Vergütung. 16,6 Milliarden Euro sollen so bis 2030 bei der Steigerung von Honoraren und Zuschlägen insgesamt eingespart werden können. Außerdem soll sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich die Anzahl der unnötigen oder unwirksamen Behandlungen verringert werden. 66 Einsparvorschläge liegen Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vor, aus denen sie nun auswählen will.

Für die Psychotherapie empfiehlt die Finanzkommission, die Leistungen nicht mehr wie bisher extrabudgetär zu vergüten, sondern sie in die Morbiditätsorientierte Gesamtvergütung (MGV) zurückzuführen. Dies soll bereits 2027 ein Einsparvolumen von 90 Millionen Euro ermöglichen und bis zu 480 Millionen Euro im Jahr 2030. Noch etwas mehr, nämlich 95 Millionen Euro im Jahr 2027, könnte der Kommission zufolge eine Rücknahme der Zuschläge zur Kurzzeittherapie (KZT) einsparen. Die Zuschläge in Höhe von 15 Prozent auf psychotherapeutische Leistungen, die im Rahmen des ersten Therapieblocks einer KZT erbracht werden, sollten demnach gestrichen werden. Mit rund 100 000 bis 180 000 Euro im Jahr ein eher kleiner Posten wäre der ebenfalls empfohlene Wegfall des Konsiliarberichts vor Beginn einer Psychotherapie.

Die empfohlene Rückführung der Psychotherapie in die MGV bedeutet eine Rückkehr in die Budgetierung. Damit würden psychotherapeutische Leistungen – wie vor der Extrabudgetierung – wieder unter unter den Druck regionaler Honorarverhandlungen zwischen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) und Krankenkassen geraten. Damals kam es innerhalb der KVen zu Verteilungskonflikten mit anderen Facharztgruppen, weil alle aus einem „Topf“ vergütet wurden.

Warum die Zuschläge im ersten Kontingent der KZT entfallen sollten, erschließt sich nicht. Die KZT mit zwei Blöcken zu je zwölf Einheiten (KZT 1 und 2) wurde mit der Strukturreform 2017 eingeführt, um eine zeitnahe und kompakte Versorgung zu ermöglichen. Damals forderten gerade die Krankenkassen diesen Schritt, die Psychotherapeuten vorwarfen, sie würden ihre Patienten zu lange behandeln. Eine Auswertung von Abrechnungsdaten der KBV zeigte 2023, dass die KZT ihren Zweck erfüllt: 27 Prozent aller Patienten beenden ihre Therapie sogar vor dem Maximum der KZT 1.

Psychotherapeuten liegen im Vergleich der Facharztgruppen dem Honorarbericht der KBV zufolge am alleruntersten Ende bei den Honorarumsätzen. Geld ist nicht alles, aber immer auch ein Ausdruck von Wertschätzung. Wenn sich eine Berufsgruppe dauerhaft gering geschätzt fühlt, sinken Zufriedenheit, Bindung und Attraktivität des Berufes. Das kann sich ein Gesundheitssystem mit ohnehin hoher psychischer Krankheitslast nicht leisten. 

Quelle: Deutsches Ärzteblatt PP/ Ausgabe 4/2026

Psychisch kranke Kinder und Jugendliche: Separate Bedarfsplanung gefordert

Die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) und der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) fordern die Politik in einem Positionspapier auf, Schritte zu unternehmen, um die Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher zu stärken. Dazu gehören ihres Erachtens eine bessere alltagsnahe Prävention, die Einführung einer gezielten separaten Bedarfsplanung für die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen sowie die Stärkung der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung. BPtK und BKJPP weisen in dem Papier auf den zunehmenden Bedarf junger Menschen an psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung hin. Allein die Zahl der Depressionen sei Studien zufolge bei Fünf- bis 24-Jährigen zwischen 2018 und 2023 um 30 Prozent gestiegen. Bei jedem fünften Heranwachsenden bestehe der Verdacht auf eine Essstörung. Schwere Krankheitsverläufe nähmen zu. Diese Entwicklung sei „alarmierend“ und dennoch gebe es zu wenig spezifische Behandlungskapazitäten. Kinder und Jugendliche müssten in der Folge durchschnittlich 28 Wochen auf einen Therapieplatz warten. Besonders schwierig sei die Situation auf dem Land. Nur eine zielgenaue Bedarfsplanung könne wohnortnahe, bedarfsgerechte, flexible und altersadäquate Angebote fördern.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt Ausgabe 9/2026

Zukunftsängste belasten Kinder und Jugendliche, aber sie verfügen über gute mentale Ressourcen

Die Ergebnisse der achten Befragungsrunde der COPSY-Studie (Child Outcomes in PSYchology) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigen, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen bei Kindern und Jugendlichen eine große Rolle spielen. Neu ist, dass sich die junge Generation neben ihren Ängsten vor Kriegen und Terrorismus auch Sorgen um die Spaltung der Gesellschaft und Zuwanderung macht.

Auch ist die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen immer noch schlechter als vor der Pandemie: Ein Fünftel berichtet von eingeschränkter Lebensqualität und psychischen Belastungen, besonders häufig betroffen sind Mädchen und junge Frauen ab 14 Jahren. Die Studie zeigt aber auch, dass Kinder und Jugendliche über gute Bewältigungsstrategien verfügen, um die momentanen Krisen zu meistern.

„Unsere COPSY-Studie zeigt immer noch eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Vergleich zu den präpandemischen Daten. Aber nicht jedes Kind mit psychischen Belastungen muss auch behandelt werden – viele junge Menschen entwickeln starke Bewältigungsstrategien und verfügen über persönliche Ressourcen. Diese Stärken müssen wir gezielt fördern, idealerweise schon in der Schule, um ihre mentale Gesundheit nachhaltig zu stärken“, fasst Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer, Leiterin der COPSY-Studie und Leiterin der Forschungssektion Child Public Health der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE, die aktuellen Studienergebnisse zusammen.

Lebensqualität und psychische Gesundheit nicht weiter verbessert

Die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen hatte sich zu Beginn der Pandemie in 2020 im Vergleich zu den präpandemischen Daten (der BELLA-Studie im Zeitraum von 2014 bis 2017) deutlich verschlechtert, dann in den Jahren 2022 und 2023 wieder verbessert und stagniert jetzt auf einem stabilen Niveau. 22% der jungen Menschen geben weiterhin eine geminderte Lebensqualität an. Damit liegt die Prävalenz noch etwa sieben Prozentpunkte über den Werten vor der Corona-Pandemie. Neu ausgewertet wurde der Verlauf der Einsamkeit. Hier ist das Ergebnis ähnlich wie bei der Lebensqualität: Fühlten sich während der Pandemie rund 39% der Kinder und Jugendlichen einsam, sind es aktuell noch 18%. Auch hier ist noch nicht wieder das präpandemische Niveau von 14% erreicht.

Ängste und depressive Symptome stärker ausgeprägt bei jungen Frauen

Die allgemeinen psychischen Belastungen sind ähnlich wie in den Vorjahren stabil geblieben. Allerdings ist es auffällig, dass Mädchen und Frauen ab 14 Jahren stärker von psychischen Belastungen betroffen sind als Jungen. Vor allem jugendliche Mädchen und junge Frauen berichten deutlich häufiger von depressiven Symptomen, hier stieg der Anteil im letzten Jahr von 11 auf 17%, sowie von Angstsymptomen, hier konnte ein signifikanter Anstieg von 20 auf 31% festgestellt werden.

Deutliche Zunahme der Besorgnis über globale Themen und gesellschaftliche Diskurse

Die COPSY-Studie zeigt auch, dass aktuelle gesellschaftliche Diskussionen und Krisen einen spürbaren Einfluss auf Kinder und Jugendliche haben. Während die Folgen der Pandemie kaum noch eine Rolle spielen, setzen sie sich nun intensiv mit Themen wie Kriegen (70%), Terrorismus (62%), wirtschaftlicher Unsicherheit (57%) und der Klimakrise (49%) auseinander und erleben diese Entwicklungen als belastend. Neu erhoben wurden jetzt Fragen nach gesellschaftlicher Uneinigkeit und migrationspolitischen Herausforderungen: 56% der Befragten sorgen sich um eine Spaltung der Gesellschaft und 51% aufgrund von Zuwanderung.

„Diese globalen Sorgen und gesellschaftlichen Diskussionen führen bei vielen jungen Menschen zu mehr Ängsten und Belastungen. Kinder und Jugendliche, die unter krisenbezogenen Zukunftsängsten leiden, haben ein 3,4 mal höheres Risiko für psychische Auffälligkeiten, Ängste, depressive Symptome und Einsamkeit. Dazu trägt sicherlich auch bei, dass sie über soziale Medien häufig mit ungefilterten oder belastenden Inhalten konfrontiert werden, was diese Entwicklungen weiter verstärken. Kinder und Jugendliche brauchen eine gute Medienkompetenz, um Inhalte einzuordnen und ihre Nutzung regulieren zu können“, sagt Erstautorin Dr. Anne Kaman, Stellvertretende Leiterin der Forschungssektion Child Public Health der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, -psychotherapie und -psychosomatik des UKE.

Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) für Schule und zum Spiel

Ebenso haben die Forschenden festgestellt, dass KI bereits fest im Alltag von Kindern und Jugendlichen verankert ist. Am häufigsten wird KI zur Unterstützung beim Lernen im Bereich der Schule und bei den Hausaufgaben (77%) genutzt. Kinder und Jugendliche sehen KI aber nicht nur als Arbeitsmittel, sondern auch als Spiel- und Kreativwerkzeug: Spaß (66%), Neugier (56%) und Erstellen von Bildern/Videos (26%). Der soziale oder emotionale Einsatz spielt nur eine untergeordnete Rolle. „Wir haben mit Erleichterung festgestellt, dass nur ein sehr kleiner Teil von 7% der Kinder und Jugendlichen KI nutzt, um über persönliche Sorgen zu sprechen. Das deutet darauf hin, dass KI bisher nicht als emotionaler oder sozialer Ansprechpartner angesehen wird“, sagt Dr. Kaman.

Intaktes soziales Umfeld schützt vor psychischen Beeinträchtigungen

Kinder, die Selbstwirksamkeit erleben, in stabilen sozialen Verhältnissen leben und von unterstützenden familiären Strukturen profitieren, zeigen in der Regel eine robustere psychische Gesundheit und berichten seltener von Angst- oder Depressionssymptomen. Im Gegensatz dazu tragen Kinder aus bildungsfernen Haushalten, die unter engen Wohnbedingungen leben und deren Eltern psychisch belastet sind, ein deutlich erhöhtes Risiko für psychische Beeinträchtigungen. „Unsere Daten zeigen, dass diese Kinder häufiger Ängste, depressive Symptome und eine geringere Lebensqualität haben. Für diese Kinder und Familien braucht es niedrigschwellige Angebote in Schulen und im sozialen Umfeld, um diesen sozialen und gesundheitlichen Ungleichheiten zu begegnen“, sagt Prof. Ravens-Sieberer.

Über die Studie

In der COPSY-Studie untersuchen die UKE-Forschenden die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie und globaler Krisen auf die seelische Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Es ist das einzige langfristige Gesundheitsmonitoring in Deutschland, das sich mit der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen befasst. Insgesamt haben 3.312 Familien mit Kindern und Jugendlichen im Alter von 7 bis 23 Jahren an mindestens einer Befragungswelle der COPSY-Studie von Mai 2020 bis Oktober 2025 teilgenommen, an der achten Befragungswelle nahmen 1.607 Familien teil. Die 11- bis 23-Jährigen füllten ihre Online-Fragebögen selbst aus. Für die 7- bis 10-Jährigen antworteten die Eltern. Die Mehrheit der Eltern hatte einen mittleren Bildungsabschluss. Etwa ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen hatte einen Migrationshintergrund und ein Fünftel der Eltern war alleinerziehend.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 30.04.2026

Eltern erkennen oft, wenn ihr Kind ernsthaft krank ist

Eltern haben häufig ein gutes Gespür dafür, wenn ihr Kind schwer erkrankt ist. Eine finnische Studie zeigt: Äußern Eltern starke Sorge um die Gesundheit ihres Kindes, weist dies in den meisten Fällen tatsächlich auf ernsthafte Erkrankungen hin. Zu diesem Ergebnis kommt eine finnische Studie.

Die Forschenden um die Kinder- und Jugendärztin Dr. Hilla Pöyry von der Universität Oulu (Finnland) untersuchten rund 2.400 Kinder und Jugendliche, die in einer Notaufnahme behandelt wurden. Die Eltern beantworteten vor der ärztlichen Untersuchung einen umfangreichen Fragebogen mit 36 Fragen. Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob der digitale Fragebogen ein geeignetes Instrument für Eltern sein kann, um den Gesundheitszustand eines kranken Kindes zu Hause einzuschätzen, bevor sie die Notaufnahme aufsuchen.

Das Ergebnis: Die elterliche Sorge erwies sich als besonders zuverlässiger Hinweis auf eine schwere Erkrankung. In etwa 91% der Fälle, in denen Kinder tatsächlich schwer krank waren, hatten die Eltern zuvor deutliche oder starke Besorgnis geäußert.

„Bauchgefühl“ wenig geeignet, um leichte Verläufe auszuschließen

„Die Besorgnis der Eltern ist ein wichtiges Warnsignal“, betont Pöyry. Allerdings zeigte sich auch eine wichtige Einschränkung: Zwar eignet sich die elterliche Einschätzung gut, um schwer kranke Kinder zu erkennen (hohe Sensitivität), sie ist jedoch wenig geeignet, leichte Verläufe auszuschließen. Viele Eltern sind auch dann besorgt, wenn keine ernsthafte Erkrankung vorliegt.

Der untersuchte Fragebogen konnte die Einschätzung der Eltern nicht entscheidend verbessern. Zusätzliche Detailfragen lieferten keinen nennenswerten diagnostischen Mehrwert. Die Forschenden schließen daraus: Die Sorge der Eltern sollte in der medizinischen Einschätzung ernst genommen werden – kann aber eine ärztliche Untersuchung nicht ersetzen. „Wenn Eltern sich Sorgen um ihr plötzlich erkranktes Kind machen, sollte dieses unbedingt ärztlich untersucht werden“, so Pöyry.

Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und medizinischem Personal: Auch wenn Eltern Symptome nicht immer präzise beschreiben können, erkennen sie häufig früh, wenn „etwas nicht stimmt“.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 13.04.2026

Autismus: Vermutlich Anzahl betroffener Mädchen ähnlich hoch wie bei Jungen

Autismus könnte bei Mädchen und Jungen ähnlich häufig auftreten. Zu diesem Schluss kommt eine umfangreiche schwedische Studie. Autismus galt lange als eine Erkrankung, die vorwiegend Jungen betrifft. Eine schwedische Forschungsarbeit, veröffentlicht im BMJ, zeigt jedoch, dass Autismus bei Jungen und Mädchen tatsächlich vergleichbar häufig vorkommt. Die Ergebnisse belegen einen deutlichen Aufholeffekt bei Mädchen in der Adoleszenz.

Die Prävalenz von Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) hat in den letzten drei Jahrzehnten zugenommen, mit einem Verhältnis von Jungen zu Mädchen von etwa 4:1. Die vermehrte Diagnose von Autismus beruht vermutlich u.a. auf erweiterten Diagnosekriterien und gesellschaftlichen Veränderungen (z. B. dem Alter der Eltern). Das hohe Verhältnis von Jungen zu Mädchen wird auf bessere soziale und kommunikative Fähigkeiten bei Mädchen zurückgeführt, wodurch Autismus bei letzteren schwerer zu erkennen ist. Bislang hat jedoch keine größere Studie diese Trends über den gesamten Lebensverlauf untersucht.

Diagnosehäufigkeit: Bis zum Alter von 20 Jahren verliert sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern

Um dies zu untersuchen, nutzten Forscher*innen nationale Register, um die Diagnosehäufigkeit von Autismus bei 2,7 Millionen in Schweden zwischen 1985 und 2022 geborenen Personen zu analysieren. Diese Personen wurden von der Geburt bis zu einem Alter von maximal 37 Jahren begleitet.

Während dieses Beobachtungszeitraums von über 35 Jahren wurde bei 78.522 (2,8%) der erfassten Schweden Autismus diagnostiziert, im Durchschnittsalter von 14,3 Jahren. Die Diagnosehäufigkeit stieg mit jedem Fünfjahresintervall im Kindesalter an und erreichte ihren Höhepunkt mit 645,5 pro 100.000 Personenjahre bei Jungen im Alter von 10–14 Jahren und 602,6 bei Mädchen im Alter von 15–19 Jahren. Obwohl Jungen im Kindesalter häufiger die Diagnose Autismus erhielten, holten Mädchen in der Adoleszenz auf, sodass das Verhältnis von Jungen zu Mädchen im Alter von 20 Jahren nahezu 1:1 erreichte.

Grenzen der Studie

Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Die Autor*innen räumen ein, dass sie andere mit Autismus assoziierte Erkrankungen wie ADHS und geistige Behinderung nicht berücksichtigt haben. Auch konnten sie gemeinsame genetische und Umweltfaktoren wie die psychische Gesundheit der Eltern nicht kontrollieren.

Daher schreiben sie: „Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Verhältnis von Männern zu Frauen mit Autismus im Laufe der Zeit und mit steigendem Diagnosealter abgenommen hat. Dieses Verhältnis könnte daher deutlich niedriger sein als bisher angenommen, sodass es in Schweden im Erwachsenenalter möglicherweise nicht mehr erkennbar ist.“

„Diese Beobachtungen unterstreichen die Notwendigkeit zu untersuchen, warum Frauen später diagnostiziert werden als Männer“, schließen sie.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de vom 30.03.2026

Langzeitstudie: Zwei Drittel der Jugendlichen mit Reizdarmsyndrom sind im jungen Erwachsenenalter beschwerdefrei

Eine neue Langzeitstudie bringt Hoffnung für Jugendliche, die vom Reizdarmsyndrom geplagt sind: Die Mehrheit der Betroffenen ist im Erwachsenenalter frei von den typischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms, wie häufige Bauchschmerzen und Krämpfe.

Forschende der Universität Göteborg und des Karolinska-Instituts in Schweden begleiteten über 2.500 in den 1990er-Jahren Geborene, um die Veränderungen ihres Verdauungssystems im Erwachsenenalter zu verfolgen.
Die Teilnehmenden wurden im Alter von 16 und 24 Jahren anhand standardisierter, auf den Rome-Kriterien basierender Fragebögen untersucht. Die Ergebnisse, die kürzlich in der Fachzeitschrift „Gastroenterology“ veröffentlicht wurden, deuten darauf hin, dass das Reizdarmsyndrom im Jugendalter häufig keinen chronischen Verlauf nimmt und in vielen Fällen remittiert. Zwei Drittel der 16-Jährigen, die anfänglich die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom erfüllten, waren acht Jahre später beschwerdefrei, so die Studie.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass das Reizdarmsyndrom im Jugendalter kein statisches Krankheitsbild ist“, verdeutlichte die Hauptautorin Dr. Jessica Sjölund, Gastroenterologin an der Universität Göteborg in Schweden. „Bei vielen Betroffenen bessern sich die Symptome mit der Zeit, und gleichzeitig können wir nun diejenigen besser identifizieren, die ein höheres Risiko für anhaltende Probleme haben“, fügte sie in einer Pressemitteilung hinzu. Obwohl die Prognose für viele positiv ist, blieben die Reizdarmsymptome bei 34% der jungen Erwachsenen bestehen.

Risikofaktoren für anhaltende Beschwerden

Die Wissenschaftler*innen konnten einige Faktoren herausarbeiten, die bei dieser Gruppe anhaltende Reizdarmsymptome vorhersagten. Der stärkste Prädiktor für Reizdarmsyndrom im Alter von 24 Jahren war eine Diagnose im Alter von 16 Jahren. Weitere Faktoren, die das Risiko erhöhten, dass Reizdarmsyndrom bis in die Zwanzigerjahre fortbestand, waren hoher psychischer Stress, schlechte Schlafqualität, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und eine generell niedrigere Selbsteinschätzung des Gesundheitszustands.

Auch die Familiengeschichte spielte eine wichtige Rolle. Jugendliche, bei denen mindestens ein Elternteil vom Reizdarmsyndrom betroffen war, hatten deutlich häufiger anhaltende Beschwerden. Dieser Zusammenhang weist auf mögliche genetische und umweltbedingte Einflussfaktoren hin.

Frühe Maßnahmen entscheidend

Frühe Intervention ist entscheidend, betonten die Forschenden. Da viele dieser Risikofaktoren mit Lebensstil und psychischem Wohlbefinden zusammenhängen, legen die Ergebnisse nahe, dass die Jugendjahre ein wichtiges Zeitfenster darstellen, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.Die Ergebnisse unterstreichen, dass das Jugendalter ein entscheidendes Interventionsfenster darstellt. Maßnahmen zur Stressreduktion, Verbesserung der Schlafqualität und frühzeitige psychosoziale Unterstützung könnten dazu beitragen, das Risiko eines chronischen Verlaufs deutlich zu senken.

Quelle: www.kinderaerzte-im-netz.de/ vom 16.03.2026