Psychische Erkrankungen auf TikTok oft falsch dargestellt

Informationen zu psychischen Erkrankungen und zur psychischen Gesundheit sind auf dem deutschsprachigen TikTok-Kanal häufig falsch – nur knapp jeder 5. Videoinhalt ist korrekt. Das berichtet eine Forschungsgruppe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Essen und der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen.

Die Forschungsgruppe analysierte je 30 deutschsprachige TikTok-Videos über jeden der 6 meistgesehenen Hashtags zu psychischen Störungen: Das sind Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Depression, Autismus, Angststörung, Narzissmus und posttraumatische Belastungsstörung (PTBS).

Die Videos wurden hinsichtlich der Urheberschaft klassifiziert und entweder als „korrekt“, „überverallgemeinert“, „falsch“ oder „subjektive Erfahrung“ bewertet.

Für die Bewertung der Zuverlässigkeit und Qualität der Informationen für Patienten verwendete das Forschungsteam das modifizierte DISCERN-System. Dies ist ein Instrument zur Bewertung der Qualität und Zuverlässigkeit von Gesundheitsinformationen.

Es umfasst 15 Kriterien – unter anderem „Klare Ziele haben“, „Informationsquellen klar benennen“ und „Die Auswirkungen von Behandlungsverfahren auf die Lebensqualität beschreiben“.

Es zeigte sich: Die 177 Videos, die schließlich in die Studie aufgenommen wurden, verzeichneten insgesamt 94.348.220 Aufrufe. 19,2 % (n = 34) der Videos wurden als korrekt bewertet, 33,3 % (n = 59) als falsch, 18,1 % (n = 32) als überverallgemeinert und 29,4 % (n = 52) als persönliche Erfahrung.

Videos von Fachleuten wie Ärztinnen und Ärzten und anderen waren deutlich zuverlässiger. Sie erreichten bessere Bewertungen in Bezug auf Richtigkeit, Klarheit und wissenschaftliche Qualität. Im Gegensatz dazu sind Inhalte von Laien oder sogenannten „Coaches“ den Forschenden zufolge oft unzureichend recherchiert und ungenau oder irreführend.

Aaron Mroß, der die Studie zusammen mit Benedikt Langenbach aus der Arbeitsgruppe Psychopathologische Forschung unter Leitung von Katja Kölkebeck entwickelt und durchgeführt hat, wünscht sich, dass Gesundheitsinstitutionen und Behandler sich stärker als bisher in die sozialen Medien einbringen.

„Wenn Fachleute auf Social Media klare, verständliche und ansprechende Inhalte erstellen, könnten sie den Fehlinformationen entgegenwirken“, betonte er. Die Fehlinformationen auf TikTok könnten zu falschen Selbstdiagnosen oder einem verzögerten Therapiebeginn führen, warnen die Forschenden.

„Umso wichtiger ist es, dass medizinische Expertinnen und Experten und Berufsverbände dort qualitativ hochwertige Informationen anbieten, damit Patienten möglichst schnell eine für sie passende Behandlung finden können“, appellierte auch Langenbach, der Letztautor der Studie.

Quelle: www.aerzteblatt.de vom 08.04.2026