Kinder und Jugendliche: KI-Chatbots gegen Einsamkeit

Die DAK-Suchtstudie zeigt, dass KI-Chatbots den riskanten Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen erhöhen. Die Mediensucht bei Minderjährigen bleibt auf einem hohen Niveau.

Chatbots mit Künstlicher Intelligenz (KI) erhöhen einer Längsschnittuntersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) für die DAK-Gesundheit zufolge den riskanten Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen. Die DAK-Suchtstudie wurde Ende März in Berlin vorgestellt.

Bis zu etwa zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen wenden sich demnach an ChatGPT und andere KI-Chatbots, um sich von negativen Gefühlen abzulenken, Einsamkeit zu lindern oder vertrauliche Dinge zu besprechen. Bei Jugendlichen mit depressiven Symptomen sind es sogar 33 Prozent. Ebenfalls 33 Prozent gaben demnach an, dass ein Chatbot sie besser verstehe als ein echter Mensch.

„Primär kommerziell motivierte KI-Chatbots bergen besondere Risiken für Kinder und Jugendliche“, warnte PD Dr. med. Kerstin Paschke, Studienleiterin und ärztliche Leiterin des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters (DZSKJ) am UKE. Durch die Imitation menschlicher Kommunikation und die häufig bestätigenden Reaktionen sollten intensive Nutzungsmuster gefördert werden. „Hierdurch können junge Menschen im Rahmen einer sogenannten parasozialen Beziehung eine emotionale Bindung zum Chatbot entwickeln, die mit größeren psychischen Belastungen einhergeht und problematische Nutzungsmuster begünstigen kann“, so Paschke.

Mehr als jeder oder jede vierte Minderjährige nutzt der Suchtstudie zufolge KI-Anwendungen mehrmals pro Woche. Ab dem Alter von 15 Jahren verwenden mehr als die Hälfte die Chatbots mindestens wöchentlich. Dabei vertrauen mehr als zwei Drittel der befragten Heranwachsenden den Aussagen eines KI-Chatbots mindestens manchmal. Über 40 Prozent vertrauen ihm oft oder sehr oft.

Insgesamt bleibt die Mediensucht bei Minderjährigen auf einem hohen Niveau. Seit 2019 wird die repräsentative Längsschnittstudie von der DAK-Gesundheit und dem UKE gemeinsam durchgeführt, sodass ein Vergleich möglich ist. 2025 fand die achte Erhebungswelle statt. Befragt wurden rund 1 000 Heranwachsende zwischen zehn und 17 Jahren sowie jeweils ein Elternteil.

Jedes vierte Kind zeigt laut der Studie eine problematische Social-Media-Nutzung. Davon betroffen sind eineinhalb Millionen junge Menschen. 21,5 Prozent der Zehn- bis 17-Jährigen haben eine riskante Nutzung. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil leicht an. 6,6 Prozent gelten als süchtig. Hochgerechnet sind das rund 350 000 Kinder und Jugendliche. Der Anteil der mediensüchtigen Minderjährigen stieg um 1,9 Prozent.

Riskante Nutzung von Onlinevideos nimmt zu

Jeder Fünfte nutzt Onlinevideos von Streamingdiensten, Reels oder ähnliches auf riskante Weise. Der Wert stieg im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent an. Vier Prozent der Kinder und Jugendlichen erfüllen demnach die Suchtkriterien. Auch das medienschutzbezogene Handeln der Eltern wurde in den Blick genommen: 61,5 Prozent sprechen demnach mit ihren Kindern über deren Mediennutzung. Ähnlich viele geben vor, welche Inhalte ihr Kind nutzen darf.

„Die Nutzung digitaler Medien ist ein komplexes Thema, das sich nicht allein durch Altersgrenzen lösen lässt. Gleichzeitig darf diese Komplexität keine Ausrede sein, auf regulatorische Maßnahmen zu verzichten“, betonte Dr. med. Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. DAK-Vorstandschef Andreas Storm forderte bis zur Sommerpause gesetzliche Regeln für eine Altersregulierung: „Damit Maßnahmen im kommenden Schuljahr greifen, sollten wir unabhängig von einer EU-weiten Lösung handeln.“

Quelle: www.aerzteblatt.de/ PP, Ausgabe 04/26